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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
447
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Grs

nur keines Zusatzes, sondern wirddadurch nur geschwächt.

Dem Großen ist das Kleine, dasArtige, das Niedliche und überhauptalles entgegengesetzt, was dem Ge-schmak nur schmeichelt, was ergötztund, wie sanfte kühlende Lüftgcn,blos zum wollüstigen Genuß einla-det, ohne die Kräfte der Seele zu ei-niger Würksamkcit aufzufodern. Ei-ne Ausartung des Großen aber istdas Schwülstige und Uebcrtricbcne,das nicht durch seine innere Kraft,sondern nur durch ungestümes Po-chen und Poltern, durch prahlendesGroßrhun, die Aufmerksamkeit vonuns zu erzwingen ssucht. Hierüberwird das Nöthigste zum Gebrauch derKünstler an andern Orten vorkom-men H.

Es erhellet aus diesen Betrachtun-gen über das Große, daß es eineKraft hat, die Würksamkcit unsrerScelcnkräfte zu reizen und zu ver-mehren. Und hierin liegt eben derVorzug, den es vor dem Artigenund Niedlichen hat. Dieses verdienetetwas genauer entwikelt zu werden;weil hier gerade der Ort ist, den wich-tigsten Nutzen, den die schönen Künstehaben, und den der Künstler nie ausden Augen fetzen soll, in seinem wah-ren Licht zu zeigen.

Der Mensch ist ein empfindsames,aber auch zugleich ein würksames undhandelndes Wesen. Es ist offenbar,daß die Natur ihm die Empfindsam-keit sowol zur Würksamkcit als zumGenuß gegeben hat. Durch den blos-sen Genuß würde der Mensch baldausarten und zu einem schwachenelenden Ding werden, dessen Wurk-samkeit erstorben ist; in der Weltwürde er das seyn, was Personen,deren Temperament durch ein weich-liches Leben, oder durch Krankheitso geschwächt ist, daß sie selbst nichtsmehr verrichten können. In der Ge-sellschaft sind sie bloße Zuschauer,

*)S. Klein; Schwülstig; Uebeettiebcn.

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die alles, was vorfällt, es sey an-genehm oder unangenehm, mitgenies-sen , aber selbst nichts mehr zumall-gemeinen Interesse beytragen. Diewürkenden Kräfte der Seele, die,wodurch der Mensch zu einem thäti-gcn Wesen wird, sind sein vornehm-stes Gut. Alles, was diese unter-halt, was sie reizet und stärket, muffihn, wichtig seyn; denn dieses ist dieeigentliche Nährung des Geistes,wodurch er seine Gesundheit erhältund seine Kräfte immer vermehrt.

Die Werke des Geschmaks, dieuns blos zum angenehmen und wol-lüstigen Genuß reizen, die der Phan-tasie und dem Herzen sanft schmei-cheln, ohne sie jemal zu erschüttern,ohne sie aufzufodern, die würksamenKräfte zu brauchen, sind Lckcrbisscn,die keine Nahrung geben, und derenGenuß allmählig alle Lebhaftigkeit,alle Kraft der Seele auslöscht. Nurdas Große unterhält und stärkt alleSeelenkräftez es leistet dem Geisteden Dienst, den der Körper von star-ken, männlichen Leibesübungen hat;wodurch er immer gesunder und star-ker wird. Die Kräfte der Seelemüssen, wie die Leibeskräfte, in be-ständiger Uebung unterhalten wer-den; der stärkste Geist kann in Un-thätigkeit versinken, wenn er langeZeil nichts um sich stehet, das seineWürkfamkeit auffodert. Wir lernenaus der Geschichte der Menschen,daß die Größe und Stärke des Gei-stes, die w,r für den Natiormlcha-raktcr gewisser Völker hielten, inverächtliche Weichlichkeit, und her-nach so gar in Niederträchtigkeitausgearter ist, blos darum, daß ent-weder durch den Druk der Tyrannei),oder durch eben so schwere Unterdnr-kung einer wollüstigen Ruhe, dieWürksamkcit in den Gemächern gc-hcnimct worden. Das machtigsteVolk, das sich der Ucppigkeit unddem ruhigen Genuß der Güter, diees besitzt, einmal überlassen hat,

wird