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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
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kcit für die Behauptung seiner in-ner« fteyen Wirksamkeit eine volligeNiederträchtigkeit, die keine Verge-bung verdienet. Dieses hindert abernicht, daß wir nicht den für nochgrößer halten, der so gar seine eige-ne Würksamkeit und Freyheit einemnoch großem Gut aufopfert. Sichselbst überwinden, ist der größteSieg; und die größte Kraft derSeele zeiget sich darin, daß sie ihrereigenen Würksamkeit, mitten in derstärksten Aeußcrung, dennoch Mei-ster wird, um sie anderswohin zulenken. Denn wie der, der fein Le-ben und seine Freyheit aus Feigheitnicht vcrthcidigct, ein Nichtswürdi-ger ist, so verdienet der unsre größteHochachtung, der sie frcywillig, ausStarke des Geistes, um höhere Ab-sichten zu erreichen, dahingiebt.

Dieses sind also die verschiedenenGattungen des Großen, wodurchdie Werke der Kunst interessant wer-den können.

Zur guten Behandlung des Gros-sen gehört ein großer Gcschmak, denuns Ntengs aus seinem eigenen Ge-fühl richtig beschreibet. Der großeGeschmak, sagt er *), besteht darin,daß man die großen und Haupr-theile der ganzen Natur wähle, unddie kleinem und untergeordneten, wosie nicht höchst uöthig sind, vcrsiekc."Es ist schon oben angemerkt worden,daß die Einfalt viel zur Größe bcy-tragt. Also wollen auch große Ge-genstände so behandelt seyn, daß sieeinfach und ungezwungen da stehen.Der subtile Geschmak, der jedemeinzelcn Thcil eine genaue Ausbil-dung und eine merkbare Feinheit ge-ben will, der umständlich ist, deram Einzelcn hangt, zcrsiöhrt durchseine Bearbeitung den Charakter derGröße. Wer nicht mit wenigenVeranstaltungen die volle Würkung,die er zur Absicht hat, erreicht, der

") S-Gedanken über die Schönheit undüber den Gcschmak S.2,.

Grs

kann keinen großen Gegenstand inseiner Größe darstellen. Es ge-schiebt bisweilen, daß auch gemeineKünstler, cntwedcd von ungefehr,oder weil sie des Gefühls für dasGroße nicht ganz beraubet sind, aufgroße Gegenstande fallen, die siedurch eine schwache und umständ-liche Behandlung verderben. Wieman etwa schlechte Schauspieler sieht,die das Große in den Reden der Per-sonen, die sie vorstellen, durch Ne-bensachen, durch übertriebene Hef-tigkeit der Gebehrden und der Stim-me, würklich verderben, eben so ge-schieht es auch andern Künstlern, de-nen es an großem Geschmak fehlet.Man sieht dieses deutlich an demOvidius, der sehr oft große Gedan-ken durch eine umständliche Behand-lung verderbt; entweder weil er selbstdas Große nicht recht gefühlt, oderweil er seinem Leser nicht zugctraucthat, daß er es suhlen werde. Mansehe z. B. nur folgende Stelle, wo ervon der Latona spricht *):

-»- cui msxima quarill-im

Lxlguam tollem Parikurse terraneAavir,

idlec coelo, nec liumo, nee aczuizOes veikra rocopra est.

Ilxul erat munlli.

Der zweyte Vers und die drei) letztenWorte des vierten haben würklichden Charakter der Größe: aber durchdie kleine Antithese, und durch dieumständliche Zergliederung und Um-schreibung im dritten Vers, wird dieVorstellung gleichsam in kleinere Stü-ke zerschnitten. Die Behandlungdes Großen muß vorzüglich dieseMaxime zum Grund haben:

lZrirarii res ipta ncZat, cvnrencallaceri.

Denn das, was in seinen wesentli-chen Thcilcn, in seiner einfachen Ge-stalt, Kraft genug hat, bedarf nicht

nur

') IlletZM. I.. Vl. 186.