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aus der plötzlichen Zernichtung derHoffnung oder des Zweifels. Wenndas herannahende Hebel nun gegen-wärtig, und absolut gewiß worden ist,so entstehet eine schnell ausbrechendeLeidenschast, die sich über die ganzeSeele verbreitet, die sich nun durchnichts mehr helfen kann. Der Ge-genstand der Leidenschaft, über des-sen Vorstellung wir schlechterdingskeine Gewalt haben, der ganz außernnsrer Würksamkeit liegt, hat alle-mal etwas Großes, und bringt ausscrordcntliche Würknng hervor. In-sonderheit zeiget sich dieses bey Vor-stellung eines Ucbels, wobcy mandicNothwendigkeit desselben, die ganz-liche Unmöglichkeit ihm zu entgehen,oder etwas darin zu andern, lebhaftfühlet. Denn dieses greift uns ge-rade an dem empfindlichsten Ort an,indem es das Gefühl der Freiheitund der eigenen Macht nicht nurschwächt, sondern geradezu vernich-tet. Das grimmigste Thier wirdplötzlich zahm, so bald es einigesGefühl bekommt, von der Unmög-lichkeit sich aus den Schlingen, darines verstrikt ist, mit Gewalt heraus-zuwikeln; und der grausamste Ty-rann verliert in ähnlichen Umstan-den nicht nur seine zcrstöhrende Wuth,sondern flehet um Gnade, wie SchachNadir, als er ermordet wurde. Erstwehrete er sich eine Zeitlang aus äus-scrstcn Kräften; aber als er die völ-lige Unmöglichkeit sich zu retten em-pfand, schrie er; Erbarmung, ichnull euch allen vergeben! In demTrauerspiel, das unter dem Titel desKaufmanns von London bekannt ist,hat das Lauten mit der Gloke, diedas Zeichen zu Barneveldts Hinrich-tung gicbt, etwas ungemein Schrek-haftes, welches blos daher entsteht,daß man nun die Unmöglichkeit, daßer diesem schmählichen Tod entgehe,lebhaft fühlet. Und in der tragi-schen Geschichte des Ugolino über-fallt uns allemal ein lebhaftes Ent-
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setzen, so oft wir an den Umstanddenken, daß der Schlüssel zumThurm ins Wasser geworfen wor-den; weil uns dieser Umstand dieUnmöglichkeit der Rettung dieses Uu-glüklichen empfinden läßt. Deswe-gen hat auch bey den öffentlichenBlutgerichten der Umstand mit derBrechung des Stabes, nach ausge-sprochenem Urtheil, eine sonderbareWürkung, weil sie das Zeichen ist,daß der Verurtheilte nun gewiß ster-ben müsse.
Die überwältigende Kraft des Ge-genstandes einer Leidenschaft liegteigentlich in dem lebhaften Gefühl,womit man ihn sich nicht blos vor-stellt, sondern als gegenwärtig em-pfindet; und eben daher entsteht auchdie große Würkung in den angeführ-ten Bcyspiclen. Der Mensch über-laßt sich weder der Freude noch demSchmerz ganz, bis er die höchste Ge-wißheit der Ursache derselben em-pfindet. Der Habsüchtige, dem eingroßes Vermögen zugefallen ist, em-pfindet zwar große Freude, so balder die Botschaft davon vernimmt:aber in der größten Lebhaftigkeitfühlt er sie erst alsdann, wenn erdas Geld vor sich liegen sieht, undmit bcydcn Händen darin wühlet.Die Sccne, da Joseph seinen nachAegypten gekommenen Vater wiedersieht, wie sie Bodmcr erzählt, zeigetuns etwas Großes von dieser Art.Josephs Freude ist zwar ungemeingroß, so bald er den thcuren Altenempfängt, und der Leser genießet diezärtlichste Wollust der ersten Umar-mung mit ihm. Aber erst eine Weilenachher, nachdem Joseph eine be-wegliche Rede des Alten angehöret,und die zärtlichen Büke, die dieserauf ihn geheftet, lebhaft empfundenhat, steigt die Freude auf den höch-sten Gipfel; erst da fühlte der Dich-ter, daß nun die Leidenschaft eineHöhe erreicht habe, die sich kaumbeschreiben läßt. Dftscs grebt er