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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
441
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Gr o

als Diogenes mit zwey Worten.Danim ist seine Antwort groß.

Aus der Große, die in dem Ver-stand und der Beurtbeilnngskraftliegt, entsteht, wen» sie auf sittlicheGegenstände angewendet wird, dieGröße der Sinnesart, des sittlichenBetragens, der sittlichen Empfin-dungen und auch wol des ganzenCharakters. Die Größe verdienetvorzüglich von dem Künstler beob-achtet zu werden, damit er einenrechten Gebrauch davon machenkönne. In den Künsten ist unstrei-tig dasjenige das Wichtigste, wasuns die Größe der Seele zu empfin-den giebt.

Diese Größe entsteht, wie gesagt,aus der Stärke der Beurthcilungs-kraft, auf sittliche Gegenstände an-gewendet. Der Mensch denkt undhandelt groß, der die sittlichen Ge-genstände in ihren wahren Verhalt-nissen sieht, in ihrem eigentlichenWesen kennt, und deswegen dasWichtige von dem Unbeträchtlichengenau unterscheidet. Denn dadurchgeschieht, daß ihn nichts geringesrühret, daß er in Absicht auf dasGute und Böse, auf Glük und Un-glük, auf Tugend und Laster, we-der auf Kleinigkeiten achtet, nochsich durch den Schein blenden laßt.In seinen Urtheilen kömmt er schnellauf den Mittelpunkt der Dinge, undentfernt alles, was nicht zum We-sentlichen gehört; in seinen Hand-lungen aber geht er gerade und mitZuversicht zum Zwek. Kleine See-len werden in ihren Vorstellungenund Empfindungen von den erstenEindrüken, die die Sachen auf siemachen, und von dem Scheine der-selben geleitet. Es fehlt ihnen aneigener Würksamkeit, wodurch sieMeister ihrer Vorstellungen und Ent-schließungen werden. Man cntdcketin ihrem Denken und Handeln garkeine Einförmigkeit, nichts Einfa-ches und Gerades; und wenn sie

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Absichten haben, so wissen sie Mit-tel, die geradezu dieselben befördern,nicht zu erfinden, sondern laurendarauf, ob sie sich von selbst anbie-ten werden; versuchen jedes, das ih-nen vorkömmt, um ans Proben undErfahrung zu sehen , ob es ihnen et-wa nützlich seyn könne. In ihrenEmpfindungen sind sie eben soschwach; jede Kleinigkeit bringt siein Bewegung, sie leben in einer be-ständigen Abwechslung von Vergnü-gen und Mißvergnügen, von Wunschund Genuß, ohne jemals die Dingezu kennen, von denen sie unaufhör-lich, wie eine Wetterfahne, im Kreisherum getrieben werden.

Wenn gedachte Stärke der Beur-theilungskraft sich über den ganzenUmfang der sittlichen Gegenständeund Angelegenheiten des Menschenerstreket, und nicht blos, wie es oftgeschieht, auf cinzcle Zweige dersel-ben eingeschränkt ist, so entstehet da-her der große Charakter des Men-schen, die stille Größe des Gemü-thes, die ihn über die gewöhnlichenSchwachheiten andrer Menschen er-hebet. Er hat aus der Menge derDinge, die er beobachtet und bcur-theilt hat, wenige Hauptbegriffe her-ausgezogen, die sein Unheil, undwenige Grundmapimcn, die seineHandlungen bestimmen. Er wirdvon nichts überrascht und von nichtshingerissen; er ist der Weise, vondem Horaz sagt:

L! U'üUuz ülsbacur »lbi'5,

Impsviclum kerienc ruinss.

EinzcleBeyspiele von hoher Sinnes-art treffen wir bey allen guren epi-schen und dramatischen Dichter» an,und es würde übcrsiüßig seyn, eineAnzahl derselben hier zu sammeln.Wer den Homer, den Aeschylus undden Sophokles unter den Alten; denShakcspear und Corneille von denNeucin gelesen hat, konnte lcichteinebeträchtliche Sammlung davon ma-

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