Gro
Geister um den Thron Satans, eineungemeine Große gegeben. Erstelltnur wenige Häupter derselben einzelndar, und die unermeßliche Schaarder übrigen in einem Haufen, unddann legt er das erstaunliche Ge-mahlde vermittelst eines wahrhaftiggroßen Gleichnisses durch wenige Zü-ge vor unser Gesicht.
Also versammelten sich die Fürsten der
Hölle zu Sarau.
Wie die Inseln des Meeres aus Ihren
Sitzen gerissen,
Rauschten sie hoch, unaufhaltsam einher.
Der Pöbel der GeisterFloß mit ihnen unzählbar, wie Wogendes kommenden WeltmeersGegen den Fuß vorgcbirgtcr Gestade,zum Sitze des Satans.
Es Ware leicht, noch unzählige Bey-spicle aus den zeichnenden und reden-den Künsten anzuführen, wodurchdie vorhergehenden Anmerkungenüber das Große der Sinnen und derEinbildungskraft, bestätiget werden;aber dieses wenige ist für nachden-kende Künstler hinreichend.
Wir kommen itzt auf die Betrach-tung der Größe, die den Gegenstän-den des Verstandes eigen ist. Ausdem, was überhaupt über den Cha-rakter der Größe angemerkt wordenist, läßt sich gleich abnehmen, daßdiese Größe alsdann entstehe, wennvermittelst weniger Hauptbcgriffe,der Verstand auf einmal so viel cr-blikt, daß er sich merklich angreifenmuß, um alles zu fassen. Schonciuzcle Begriffe haben eine Größe,wenn sie, bey einer anscheinenden Ein-falt und Leichtigkeit gefaßt zu wer-den, weit über den Verstand Lichtausbreiten. Die Größe solcher Be-griffe entsteht insgemein aus vielbc-dcutendcn metaphorischen Ausdrüken,oder andern Tropen; wie wenn manvon einem von seinem bösen Ge-wissen geplagten Menschen sagt: ertrage die Holle in seinem eigenenHerzen; oder wie wenn Hallcr vonder Helvetier Heldenahnen sagt: in
Gro 4Z9
deren Arm der Blitz und Gott imHerfen war.
Große Gedanken zeigen allemalReichthum der Begriffe mit Einfaltverbunden. Pope drükt den ganzenInhalt seines dritten Briefes überden Menschen durch diesen sehr ein«fachen Satz aus: die allgemeine Ur-sache arbeitet ans einen Zwek, abernach mannigfaltig abgeändertenGesetzen. Dieses ist ein Gedanken,oder eine Beobachtung von ungemei-ner Größe, weil eine unermeßlicheMannigfaltigkeit einzeler, und deinScheine nach durch einander laufen-der Würkungcn, auf eine einzigeHauptquclle zurük geführt wird.Menschen von großem Verständesind allein fähig, sehr einfache > zu-gleich aber sich weit erstrekcndeGrundsätze für die Erforschung derBeschaffenheit der Dinge, und ebenso einfache Maximen für die Behand-lung der Dinge zu erfinden. Dieästhetische Größe, in so fern sie demVerstand eine beträchtliche Ausdeh-nung gicbt, wird also darin beste-hen, daß der Künstler die Mittelgefunden habe, in unferm Verstän-de mit wenigem viel auszurichten.Diesen Charakter haben vorzüglichdie besten Merke der Alten in reden-den und zeichnenden Künsten. Siesagen viel, lassen viel empfinden,erfüllen gleichsam die ganze Seele,ob man gleich keine große Veranstal-tung zu einer so großen Würkunggewahr wird.
Der kleine subtile Verstand kömmtwol auch zu seinem Zwek, aber durchvielerlei) einzele Mittel; weil er nichtvermögend ist, das einzige, den ge-raden Weg zum Zwek führende,Hauptmittel zu finden. Es ist einebekannte, sich auf alle vom mensch-lichen Verstand abhängende Geschäff-tc erstrekcnde, Bemerkung, daß dasEinfache das Schwercste sey, das,worauf man zuletzt fällt. Dieses istdarum so, weil gerade der größte
Ee 4 Vcr-