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gemachter Aufwand auf Werke derKunst, denen es nicht am Wesentli-chen , auch nicht immer am Großen«nd Prächtigen, sondern am Schö-nen, am Angenehmen und Feinenfehlt. Da dieser Mangel des Ge-schmaks sich auf vielerlei) Art zeigenkann, so kann auch das Gothischcvon verschiedener Art seyn.
Darum nennt man nicht nur dievon den Gothen aufgeführten plum-pen, sondern auch die abentheucrli-chcn und mit taufend unnützen Zier-rathcn überladenen Gebäude, wozuvermuthlich die in Europa sich nie-dergelassenen Saracenen die erstenMuster gegeben haben, gothisch.Man findet auch Gebäude, wo die-se beyde Arten des schlechten Ge-schmaks vereiniget sind.
In der Mahlerey nennt man dieArt zu zeichnen gothisch, die in Fi-guren herrschte, ehe die Kunst durchdas Studium der Natur und desAntiken am Ende des fünfzehntenJahrhunderts wieder hergestellt wor-den. Die Mahler vor diesem Zeit-punkt zeichneten nach einem Ideal,das nicht eine crhöhcte Natur war,wie das Ideal der Griechen, sonderneine in Vcrhältniß und Bewegungverdorbene Natur. Ueber die natür-lichen Verhältnisse verlängerte Glie-der, mit steifen, oder sehr gezierten,Stellungen und Bewegungen, vondenen man in der Natur nichts ähn-liches sieht, sind charakteristische Zü-ge der gothischcn Zeichnung. Mansieht deutlich, daß die gothischcnMahler nach bloßem Gutdünken Fi-guren gezeichnet haben, die zwar alleGlieder des menschlichen Körpershatten, wobei) aber der Zeichner ganzunbesorgt war, ob sie die wahre Ge-stalt, die wahren Verhältnisse unddie Wendungen der Natur habenoder nicht.
Es scheinet also überhaupt, daßder gothische Geschmak aus Mangeldes Nachdenkens über das, was man
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zu machen hat, entstehe. Der Künst-ler, der nicht genau überlegt, wasdas Werk, das er ausführet, eigent-lich seyn soll, und wie es müsse ge-bildet werden, um gerade das znseyn, wird leicht gothisch. Eben die-ser Mangel des Nachdenkens unter-hält noch gegenwärtig den gothi-schcn Geschmak in den Verzierungen,wenn man sie ohne alle Rüksicht aufdie Natur des Werks , das verziertwird, anbringet. Gothisch ist der,in Form eines Thicres geschnitteneBaum, die, wie eine Schnett ge-wundene Säule, der, auf einem ho-hen und sehr dünnen Fuß stehendeBecher, und so sind sehr viel nacheinem völlig willkührlichen Geschmakausgezicrce Gcräthschaften *).
Daß gerade Mangel an allem Nachden-ken den Millich so genannten gothischcnGeschmack in der Baukunst eingeführt habe,scheint nicht so ganz mit dem, was wirvon den Eigenheiten desselben kennen,übereinzustimmen. Zuerst sind die Go-then, oder alle nordische Völker, an deinUrsprung, des so genannten Gothischcn,wohl nicht allein Schuld. Zwar zeigtsich der Verfall der Baukunst schon un-ter den Langobarden in Italien; aber da»war noch nicht gothischcr Geschmack;denn jener Verfall besteht nur darin, daß(wie z.B. an der, im 6tcn Jahrhun-dert erbauten Kirche, St. Giovanni i»Florenz) die Sckulcn, Basen, Kapitcll-chcn alle von einander unterschieden sind;allein jede einzelc Sstule (es sind korin-thische) ist ganz symmetrisch modellier,und steht mit ihrer Base, mit Acchitrab,Friese und Cernische, im Verhältnisse;da» Gewölbe der Kirche des H. Vitaliszu Ravenna, aus eben diesem Jahrhun-dert, ist zwar auf frcystehendcu Sciulenaufgeführt, und kein Architrab untergezo-gen ; allein die Bögen sind noch alle krais-runb, und aus einem Mittelpunkte bec
schrie-
*) S. Verzierung.