Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
433
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G l. i

Hierüber ist »och anzumerken, daßcuiige Glieder nach dem Orte, wosie »»gebracht werde»,, andre Na-nie» bekommen. So wird das Glied,was hier, uiid überall, wo es zurAbsonderung zwischen zwey andreGliedergcftgtwird, derRicmen heißt,ein Ui'berscblag gcncnnt, wenn esdas oberste Glied ist; und der Pfuhl,wenn er an dem Hals einer Säuleober eines Pfeilers ist, wirb einRing genennr.

Die Zusammensetzung der Gesim-se aus den verschiedenen Gliedern istin der Baukunst nicht so genau be-stimmt, daß nicht bald jeder Bau-meister darin seinem eigenen Ge-schmak folgen sollte. Es ist aberleichte zu sehen, daß eine gcschikteVermischung kielner und großer,platter und gebogener Glieder, dasWerk des guten Geschmaks sey, unddaß die im vorhergehenden Artikelgemachten Anmerkungen auch hiergelten. Die Hauptsache kommtauf zwey Punkte an: darauf, daßdie Menge der Glieder das Augenicht verwirre; und daß in dcrOrd-nnng derselben, sowol in Ansehungder Form, als der Große, einegefällige Abwechslung beobachtetwerde.

Zwey Glieder von einerlei) Art,oder von einerlei) Große sollen nichtunmittelbar über einander liegen,und das Ganze, was aus der Zu-sammensetzung der Glieder entsteht,soll sich einigermaßen gruppircn.Man sollte kaum denken, wie sehrviel eine gure Zusammensetzung derGlieder zur Schönheit eines Gebäu-des beyträgt; es ist aber kaum et-was, woraus der gute oder schlechteGeschmak des Baumeisters schnellerzu erkennen ist, als dieses.

In den antiken Gebäuden der be-sten Zeit sind alle Glieder glatt, abermit äußerstem Fleiß und der größ-ten Nettigkeit gemacht. Hingegenin den später» Zeiten sind die aus-

ZeveMr Theil.

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gebogenen Glieder häufig mir Laub-werk und audcrm Echnitzwerk ver-zieret. Dieses scheinet, wenigstensau' Außenseiten großer Gebäude,höchst unschiklich; weii man da, umdas Gebäude im Ganzen zu überse-hen, nie so nahe herantreten kann,daß solches Schnitzwcrk in die Au-gen fallen konnte. Das Glatte istallemal das Schiklichsie.

G o t h i s ch.

(Schöne Künste.)

Alan bedienet sich dieses Veywortsin den schonen Künsten vielfältig,uni dadurch einen barbarischen Ge-schmak anzudeuten; wiewol der Sinndes Ausdruks selten genau bestimmtwird. Fürnehmlich scheinet er eineUnschiklichkeit, den Mangel derSchönheit und guter Verhältnisse, insichtbaren Formen anzuzeigen, undist daher entstanden, daß die Gothen,die sich in Italien niedergelassen, dieWerke der alten Baukunst auf eineungeschikte Art nachgeahmt haben.Dieses würde jedem noch halb bar-barischen Volke begegnen, dasschnell zu Macht und Reichthum ge-langet, eh'es Zeit gehabt hat, andie Cultur des Geschmaks zu denken.Also ist der gothische Geschmak denGothen nicht eigen, sondern allenVölkern gemein, die sich mit Wer-ken der zeichnenden Künste abgeben,ehe der Geschmak eine hinlänglicheBildung bekommen hat- Es gehtganzen Völkern in diesem Stük,wie einzeleit Menschen. Man ma-che einen, im niedrigen Stande ge-bohrncn und unter dem Pöbel auf-gewachsenen, Menschen auf einmalgroß und reich, so wird er, wenner in Kleidung, in Manieren, inseinen Häusern und Garten und inseiner Lebensart, die feinere Weltnachahmet, in allen diesen Dingengothisch seyn. Das Gothische istüberhaupt ein ohne allen GeschmakE k gemach-