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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
427
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weiden wir ruhigere Zuschauer. Alsowäre es würklich unnatürlich, wennuns der epische Dichter gleich an-fänglich, ehe wir an dem Orte ste-hen, von welchem wir der Handlungetwas ruhig zusehen können, und ehedie Phantasie Zeit gehabt sich zu er-hitzen, mit so besonders gezeichnetenkleinen Eemählden, wie die Gleich-nisse sind, aufhalten wollte.

Nun ist noch ein andrer Umstandin Betrachtung zu nehmen; dennwenn gleich die redende Person sich inder Gemüthslage befindet, da manVcrglcichungen zu machen pfleget, sostehen sie darum nicht allemal amrechten Ort. Es ist vorher ange-merkt worden, daß der Gegenstand,den man vermittelst einer Verglci-chung sehr deutlich zu fassen, odersehr lebhaft zu empfinden wünschet,interessant seyn müsse. Dieses ist einwichtiger Punkt in Absicht auf denGebrauch der Gleichnisse. Schwa-che Kopfe finden bisweilen die unbe-trächtlichsten Dinge, die keinen ver-ständigen Menschen aufmerksam ma-chen, sehr interessant; sie mahlenuns mit der größten AufmerksamkeitGegenstände, über welche unser Au-ge gern flüchtig hinglitschen mochte.Also muß der Redner, wie der Dich-ter, wol überlegen, ob es wol derMühe Werth sey, einen Gegenstanddurch das Glcichniß dem Verständedeutlich oder der Phantasie lebhaftvorzuwählen.

Hierüber lassen sich keine Regelngeben; es kämmt dabei) schlechter-dings auf die Urthcilskraft des Red-ners oder Dichters an. Ist diesemannlich und stark, so wird er nursolche Gegenstande durch Gleichnisseausmahlen, die jedem verständigenMenschen interessant sind; wo einefeurige Phantasie den ganzen Kopfbeherrscht, der Verstand aber schwachist, da werden hänsig Gleichnisse er-scheinen, wo kein Verständiger sie er-wartet, und wo er sie lieber übergeht.

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Ueberhaupt ist es eine langst gemach-te und gründliche Anmerkung, daßdie Gleichnisse nur als eine feineWürze sparsam zu brauchen seyen.Sie gehen doch allemal auf einzcleVorstellungen, deren besondere Be-trachtung den Faden der Hauptvor-stellung etwas unterbricht. Solltedieses zu oft geschehen, so würdedie Einheit der Hauptvorstellung zusehr darunter leiden.

Der Redner ziehe aus diesen An-merkungen die Lehre, daß er im un-terrichtenden Vortrage sich aller er-läuternden Gleichnisse enthalten solle,außer da, wo er Hauptbcgriffe oderHauptsätze, die ohne ähnliche Fällenicht deutlich genug erkennt, odernicht schnell genug gefaßt, noch demGedächtmß lebhaft genug eingeprägtwerden, vorzutragen hat. Er brau-che sie hauptsächlich da, wo es wich-tig ist, daß der Zuhörer die Vorstel-lungen nicht nur mit großer Klarheitfasse, sondern sich durch Verweilendarauf vollkommen damit bekanntmache; vornehmlich bcy solchen Sä-tzen , die dem anschauenden Erkennt-nis; durch ausführliche Bilder ein-leuchtend seyn sollen.

Der Dichter und auch der Redner,der durch lebhafte Gleichnisse stärkerrühren will, überlege wol, ob es na-türlich ist, daß er, oder daß die Per-son, die er redend einführet, sich itztauf dem Gegenstände verweile, umden Eindruk davon völlig zu gemes-sen, und ob der Gegenstand selbstwichtig genug ist, dic Empfindungeine Zeitlang zu bcschäfftigcn.

Auch dic Art, das Glcichniß vor-zutragen und zu behandeln, verdieneteine nähere Betrachtung. Der Aus-druk, dic Schreibart und der Tonsind dabey wichtige Sachen, ob.gleich dic Kunstrichter wenig darü-ber angemerkt haben. Der Tondes Vortrages macht das Glcich-niß zum poetischen, oder blos ora-rorischen Glcichniß. Es ist leicht,