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Milien doppelten Grund haben: ent-weder entsteht es blos aus der Be-gierde den Gegenstand vermittelst ei-nes leicht zu übersehenden Bildesbester zu fassen, und dem abstraktenGedanken eine körperliche Gestalt zugeben, an welcher man ihn an-schauend erkenne; oder man will ihngern lebhafter empfinden, um denEindruk, den er auf uns macht, znverstärken, und ihn völlig zu ge-nießen. Im ersten Fall entstehen dieunterrichtenden Gleichnisse, derer sichdie Redner in dem lehrenden Vor-trag bedienen; sie haben die Wär-km:g der ausführlichen Beyspiele;erleichtern die deutliche Vorstellungder Sachen; oder helfen uns, daßwir uns in den rechten Gesichtspunktstellen, aus welchem die Sachen, diewir genau zu betrachten haben, müs-sen angesehen werden; legen das,was blos im Verstände lag, und dem-selben leicht wieder entwischen konnte,in die Einbildungskraft, die es danndurch Hülfe der sinnlichen Bilder,deren man sich leicht erinnert, un-vergeßlich besitzt. Von dieser Art istfolgendes Gleichniß, wodurch ein rö-mischer Philosoph feine Gedanken vonder Fürtrcfflichkcit der philosophi-schen Schriften des Panäfius erläu-tert. „Gleichwie sich kein Mahlergefunden, der sich getrauet hatte, dievom Apeilcs angefangene Venus fer-tig zu machen, indem die Schönheitdes Gesichts jedem die Hoffnung be-nahm, die übrigen Thcile des Leibesauf eine ahnliche Art zu vollenden:so hat auch Niemand das, was Pa-uärius in seinen Schriften unausge-führt gelassen, wegen berFürtrefflich-keit dessen, was schon vorhanden war,auszuführen unternogumen
Der zweyte Fall hat da statt, woein Gegenstand vorkommt, der unslebhaft rühret, es fey daß er einevergnügte oder beunruhigende Em-pfindung erweket; denn da entstehet
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allemal die Begierde, solchen Gegen-stand mit völliger Lebhaftigkeit zu em-pfinden, und sich bey dieser Empfin-dung zu verweilen. Bcydcs kömmtsowol in der epischen, als in der ly-rischen Dichtkunst, auch in einigenReden gar oft vor. Man empfindetsehr klar, wie das vorher aus derJlias angeführte Gleichniß entstan-den ist. Der Dichter sah in seinerPhantasie, wie dem verwundetenMenelaus das Blut über den entblöß-ten Schenkel bis auf die Ferse herun-ter floß. Sowol die schöne Gestaltdes Helden, als das hcrunterfiies-sende Blut wird ein Gegenstand, aufdem er sich zu verweilen wünschet,weil sie ihn in eine sanfte Empfindungsetzten. Indem er sich auf diesemGegenstände verweilet, crwckt sowoldie schöne Bildung des verwundetenGliedes, als das herabrinncnde Blut,das Bild, welches er zur Verglci-chung anwendet. So entsteht dasGleichniß, so oft wir den Eindruk,den die besondere Beschaffenheit einesGegenstandes auf uns macht, gernedurch eine noch lebhaftere Vorstellungdesselben zu unterhalten und zu ver-mehren wünschen.
Man gebe nur Achtung, wie diePhantasie, so oft man uns etwasInteressantes erzählt, beschäfftigctist, sich jeden Umstand auf das leb-hafteste vorzuwählen, und wie sie zudem Ende überall die hellesten Bilderaufsucht, vermittelst welcher sie sichdiese Vorstellung erleichtert. Manthut es nicht blos bey Gegenstän-den, die vergnügte Empfindungenerweken, sondern auch bey trauri-gen, so gar bisweilen bey'schmerz?haften. Denn wir lieben uns in dielebhaften Empfindungen andrer zufetzen, auch alsdann, wenn sie un-angenehm sind,
So wünschen wir die interessantenSituationen, darin wir andre sehen,uns recht lebhaft vorstellen zu können,und suchen alles hervor, was uns
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