Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
423
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wild das Bild umständlicher ausge-zeichnet, damit die Aufmerksamkeitsich darauf verweile und der Leserdasselbe völlig ins Gesicht fasse, her-nach aber die Beschaffenheit des Ge-genbildes darin, als in einem Spie-gel, mit Lebhaftigkeit erkenne. DerGrieche, der dieses las, mußte sichdabei) ein Gebiß vorstellen, das durchdie Feinheit der Form, und durch dieSchönheit der Farben, in seiner Artfür ein Kleinod zu halten war, der-gleichen nur Könige hatten. Mitdiesem Bilde wird nun der wolgestal-tete, aber nun mit Blut umflosseneSchenkel und Fuß des Helden ver-glichen; dadurch bekam der Leser dielebhafteste Vorstellung der Sache,die der Dichter unmittelbar zu mah-len sich nicht getrauet hatte.

Damit wir hier nicht in unnöthigeWeitläufigkeit gcrathen, wollen wiralles das voraussetzen, was von derBeschaffenheit und Erfindung derBilder, und von der Absicht und derWürkung der Vergleichungcn, in an-dern Artikeln angemerkt worden ist*).Also wird hier die Betrachtung blosauf die Ausführung der Vergleichungeingeschränkt.

Vergleichungcn werden sowol inder gemeinen Rede, als in allenGattungen des knnstmäßigcn Vor-trages derselben vielfältig, und mitgroßem Nutzen gebraucht. DerHang seine Vorstellungen durch Auf-suchung ähnlicher Fälle deutlicheroder lebhafter zu machen, ist demmenschlichen Genie angebohrcn. Sooft wir in einem ruhigen Gemüths-zustand uns bestreben, einen Gegen-stand recht deutlich oder sehr lebhaftzu erkennen, bedienen wir uns desHülfsmittels der Vergleichung.Was hierüber anzumerken ist, wirdals bekannt angenommen. Für die-sen besondern Artikel entsteht alsodie Frage, wenn und in was fürFallen wir die Vergleichung auözu-

*) S. Bild; Vergleichung.

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führen und dadurch zum Gleichnißzu erheben geneigt seyn, und wiedie Ausführung der Vergleichung ge-schehen könne.

Da das Gleichniß eine ausgeführteVergleichung ist, so setzet es einen sol-chen Zustand des Gemüths voraus,der uns erlaubet, bey Betrachtungeines Gegenstandes zu verweilen,und einen Gegenstand, den wir nichtnur überhaupt, sondern auch in sei-nen besonder» Thcilen genau unddeutlich, oder doch sehr lebhaft zufassen wünschen. Aber da, wo manmit seinen Vorstellungen forteilet,wo mehr zu thun als zu betrachtenist, wo man mehr zu fühlen als zusehen hat, da pflegt man selten seineBegriffe durch Vergleichungcn klarerund lebhafter zu machen, viel we-niger sich bey denselben aufzuhalten.Wer am Ufer des Meeres die vomSturm aufgebrachten und über ein-ander rollenden Wellen ruhig an-sieht, der kann Betrachtungen dar-über anstellen; wer sich aber alsdenuauf dem Meer selbst befindet, istblos damit bcschaffriget, wieersicherdurch diese Wellen hindurch fahrenkönne; ihm bleibt keine Zeit zur Be-trachtung übrig.

Hieraus läßt sich abnehmen, inwas für Fällen das Gleichniß sowolvon dem Redner, als von demDichter natürlicher Weise angebrachtwerde. Die redende Person muß ineinem Gemuthszustand seyn, in wel-chem das Bestreben, die vorkom-menden Gegenstände ausführlich mitDeutlichkeit oder Lebhaftigkeit zufas-sen, natürlich ist; und der Gegen-stand selbst muß interessant oder wich-tig seyn. Da in keinem andern Falldie Lust zu Vergleichungcn entsteht,so würden auch in Werken redenderKünste die angebrachten Gleichnisse,außer den bemeldten Fällen, unna-türlich und widrig seyn.

Das Bestreben einer Vorstellungdurch Vergleichung aufzuhelfen, kann

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