Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
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G e z

Es entsteht allemal daher, daß manseinen eigenen Vorstellungen und Em-pfindungen Zwang anthut, so wie inunsern Handlungen und Reden das-jenige gezwungen wird, was wir un-gernc, gegen unsrc Sinnesart undEmpfindung, äußern wollen. DerPhilosoph, der sich vorgenommen hateinen Satz zu beweisen, dessen Wahr-heit er nicht deutlich einsieht, ist gc-nöthigt seine Vernunftschlüsse gleich-sam mit Gewalt nach dem vorgesetztenZiel einzulenken; und dadurch wer-den sie gezwungen. Eben so geht esdem Dichter, der in der Epopee oderin dem Drama einen gewissen Aus-gang dcrEachen vorher festsetzet, eheer deutlich sieht, daß die Sachensich zu demselben cntwikcln können.Dadurch wird er verleitet, ihnen ir-gendwo eine unnatürliche und gewalt-same Lenkung zu geben. Auch falltinan gemeiniglich in das Gezwunge-ne, wenn man sich selbst zur Arbeitzwingen muß, che der Geist oder dieEmpfindung von dem Gegenständevöllig eingenommen und dadurch indie nöthige Würksamkcit gesetzt wor-den. Wer ohne den Beystand derMuse oder gar gegen ihren Wink ar-beiten will, wird gewiß in das Ge-zwungene fallen.

Wer es vermeiden will, muß niearbeiten, bis er ganz von seinem Ge-genstand eingenommen, einen wah-ren innern Trieb empfindet, aus derFülle seiner Vorstellungen dasjenigeheraus zu suchen, was nach Wahlund Ucberlegung das Natürlichsteund Schiklichste ist. Die Leichtigkeit,womit er in einem solchen Zustandarbeitet, wird ihn vor dem Gezwun-genen bewahren. Hiernächst mußman sich nie ein Ziel völlig festsetzen,bis man den Weg, der dahin fähret,würklich vor Augen sieht. Der Künst-ler muß dahin gehen, wohin seineMaterie ihn lenkt, und nie fremdeAbsichten haben, zu deren Erreichung

Arveyter Theil.

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er seinem Stoff etwas ihm nicht zu-gehöriges einzumischen nöthig hättciJe mehr ein Mensch seine eigenenGedanken und Empfindungen genauzu beobachten gewohnt ist, je leich-ter wird es ihm, ungezwungen undnatürlich zu scyn. Nur den bestenGenien gelingt es. das Gezwungene,wo es den Umständen nach unver-meidlich ist, zu verbergen, und ihmdem Schein des Leichten oder Natür-lichen zu geben.

Giebel.

(Baukunst.)

Bedeutet ursprünglich das obereEnde einer Maner, welches in einDreyck zugcspitzet ist. Man stelle sichein freystehcndcs Haus mit einemSatteldach vor *), das gegen dicvo-derc und Hintere Seite des Hausesherunterläuft: so macht dieses Dachüber den Außenseiten rechter und lin»ker Hand des Hauses, ein gleich-schenklichtes Dreyes aus, welcheszugemauert wird, damit der Lo-den unter dem Dach auf den Sei-ten nicht offen bleibe. Diese drep-ekigte Mauer ist das, was maneigentlich den Giebel nennt. Da-her nennt man die Häuser Giebel-häuser, deren Dächer nicht gegendie Hauptseiten, sondern gegen dieNebenseitcn ablaufen, weil alsdanndie Hauptseitcn bis an die Spitze desDaches zugemauert sind, und ander Faßade Giebel haben.

An Gebäuden, die ordentlich ver-ziert werden, bekömmt der Giebelseine Einfassung auf allen drei) Sei-ten; das Hauptgesims macht dieGrundlinie des Dreyeks aus, undder Kranz die beyden andern Seiten,wie aus bepsiehender Zeichnung zusehen ist.

Die

') S. Dach.

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