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Weisheit taglich zunimmt, ist dochvon geringem Nutzen, so lange nurwenige scharfsinnige Philosophen denBesitz derselben für sich behalten.Wenn der Nutzen der entdcktcnWahrheit sich über ein ganzes Volkausbreiten soll, so müssen 'die wich-tigsten Lehren, deren Anwendung sichweit über Geschaffte uud über Unter-nehmungen crstreket, auf eine so faß-liche und zugleich so einleuchtende Artvorgetragen werden, daß man sichderselben mit eben der Leichtigkeit be-dienen kann, mit welcher mau sichvermittelst der glüklichen metaphori-schen Ausdrüke cinzcler Begriffe be-dienet, die ohne solche Einkleidungschwer zu fassen wären. DiesenDienst kann die Philosophie von demGesprach erwarten- Nur Schade,daß dieses Feld bis dahin noch sowenig bearbeitet worden; denn inder That muß man sich in der Litte-ratur aller alten und neuen Volkerweit umsehen, um in dieser Art auchnur hier und da etwas Vollkomme-nes zu finden, wenn man einige indiese Art einschlagende Scencn derdramatischen Poesie ausnimmt.
Freylich ist es schwer ein vollkom-menes Gespräch von dieser Art zumachen; denn nicht nur sind die Ge-legenheiten, da mau wichtige Wahr-heileu in dem hellen sinnlichen Lichte,das hiezu nothig ist, stehet, selten,und diese hellen Connenblikc derVernunft schnell vorübergehend; son-dern auch die leichtesten und HellestenWendyngen, die man dem Gesprä-che zu geben hat, schwer zu finde».Unter die besten Werke dieser Artsind die zu zahlen, die den L-orSLittleton zum Verfasser haben, obsie gleich nicht alle von gleicher Star-ke sind.
Wer in dieser Art zu schreibenglüklich seyn will, muß eine großeKenntlich des menschlichen Verstan-des besitzen, und mit scharfen Vlikenin alle Tiefen desselben eindringen.
G e s
Er muß nicht nur, welches schonschwer genug ist, die Gedanken derMenschen in allen ihren Wendun-gen und Krümmungen verfolgen,sondern das ganze Gcmahlde der-selben durch wenige meisterhafteZüge in vollem Lichte darstellen.Allein Anschein nach ist dieses inden redenden Künsten das aller-schwereste.
Dieses lehrende Gesprach kannentweder einzeln für sich behandelt,oder hier und da im Drama ange-bracht werden, wo es um so vielvortheilhaftcr stehen kann, da dieMaterie der Unterredung, die Cha-raktere der redenden Personen unddie bcsondcrn Umstände, darin siesich befinden, schon ohnedem sehrhell vor den Augen des Zuschauersliegen.
Das schildernde Gesprach machtdie andre Art dieser Gattung aus.Es hat eine genaue und lebhafteKenntniß des Menschen zur Absicht,und überhaupt die folgende Form.Eine der unterredenden Personen istdie Hauptperson des Gespräches, de-ren Charakter der Dichter sehr be-stimmt muß gefaßt haben. Nunnimmt er sich vor, irgend einenmerkwürdigen Zug dieses Charakters,oder die Art, wie sich eine Gesinnungdurch denselben entfaltet, wie etwaeine Leidenschaft sich darin äußert,auf das genaueste und lebhafteste zuschildern. Darum setzet er die Haupt-person in Umstände, die dazu amvortheilhastesten sind; ernimmtnocheine oder zwcy Personen an, derenFragen, Einwendungen und übrigeReden genau abgefaßt sind, jedenGedanken der Hauptperson in HeilerinLichte zu zeigen. Das ganze Ge-spräch ist so eingerichtet, daß der Le-ser sich einbildet, er höre einem Ge-spräche, da die unterredenden Perso-nen ihn in das Innerste ihrer Seelenhinein schauen lassen, von ihnen un-bemerkt zu.