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Erkenntnis; einleuchtend werden, inihr vollestes Licht zu setzen. Ein un-unterbrochener Vortrag der Gedan-ken hat die Art einer Beschreibungan sich; da das Gesprach der würk-lichcn Vorzeigung der Sache ahnlichist, wo jedes Einzele, darauf es an-kömmt, mit dein Finger gczcigctwird.
Wir haben also zwcy Arten desGespräches zu betrachten; die eineArt schildert die Sinnesart derMen-schcn, die andre setzet gewisse Wahr-heiten in das hellcste Licht. Wirwollen Kürze halber diese lehrende,jene schildernde Gespräche nennen.Beyde Arten können, wie schon oftgeschehen, entweder als für sich be-stehende kleine Werke der redendenKünste erscheinen, oder als Thcilegrößerer Werke, dergleichen die ein-zeln Scencn im Drama sind. Eswäre der Mühe wohl werrh, daß je-mand den eigentlichen Charakter desGespräches, den sich dazu vorzüg-lich schikendcnInhalt, und dann denbesten Vortrag desselben besondersuntersuchte. Hier können wir wei-ter nichts thun, als den forschendenKunstrichter dazu aufmuntern, undeinige Grundbegriffe für die Ausfüh-rung dieser Sache an die Hand ge-ben. Aber die völlige Theorie derKunst des Gesprächs müssen wir an-dern zu entwikcln überlassen. Wirwollen zuerst die lehrenden Gesprächebetrachten.
Man kann nicht jede Wahrheitästhetisch vortragen, und noch weni-ger schikct sich jede für das Gespräch.Diejenigen, die durch förmliche Un-tersuchungen, durch methodische Zer-gliederung der Begriffe, durch eineFolge von Vcrnunftschlüssen festge-setzt werden müssen, überlaßt derDichter den Philosophen; er abersucht nicht sowol Wahrheiten zu be-weisen, als sie fühlbar zu machen.Das Gespräch soll weder die Stelleeiner Abhandlung, noch einer nmho-
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dischen Untersuchung vertreten; esist ein kleines, aber sehr genau aus-gezeichnetes Gcmähld, aus dessen An-schauen eine Wahrheit mit der größ-ten Lebhaftigkeit empfunden wird.Wir befinden uns bisweilen in Um-ständen, oder sehen eine gewisse La-ge der Sachen vor uns, die uns ei-ne zwar schon erkannte, oder dochvermuthcte, aber dunkel gefühlteWahrheit, in einem so hellen Lichtezeigen, daß wir in angenehme Vcr-wnndrung darüber gerathcn. Daschiket sich nun das Gespräch vor-züglich, dieselbe andern eben so helleinleuchtend zu zeigen. Es dienetdem Leser, den man als die zweyteredende Person ansieht, die Umständeund die Lage der Sachen, aus denendieses Licht entsteht, von Stük zuStük zu zeigen, und ihn genau inden Gesichtspunkt zu setzen, darinman selbst ist. Was in dem gewöhn-lichen Vortrag bisweilen ein Bey-spiel, ein Gleichniß, eine Fabel zurgenauen Fassung einer Wahrheit thut,wird durch das Gespräch auf einenoch bestimmtere Weise erhalten;weil es ein solches Gcmähld ist, dasauf das genaueste ausgezeichnet wor-den. Auf diese Weise können alsoeinfache Wahrheiten, die man nichtwol anders, als anschauend erken-nen kann; sittliche und politischeMaximen; Lebcnsccgcln und andrepraktische Wahrheiten, durch dasGespräch ihre genaueste Bestim-mung und zugleich ihr höchstes Lichterhalten.
Dieser Vortheile halber ist daslehrende Gespräch eine höchst schätz-bare Gattung der Beredsamkeit, be-quemer, als irgend eine andre Gat-tung, die wichtigsten Beobachtungender Vernunft in der höchsten Einfaltund Deutlichkeit vorzutragen. Die-ses ist gerade das, was der Philoso-phie noch am meisten fehlet. DerRcichthum an nützlichen Wahrhei-ten, der durch die Culmr der Welt-
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