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pfindungen zu fühlen. C6 geschiehtallemal mit Vergnügen, wenn manunbemerkt Menschen von lebhafterPhysionomic beobachten kann, blosweil man die Gedanken und Empfin-dungen der Seele einigermaßen aufihren Gesichtern stehet. DergleichenBeobachtungen des innernZustandesder Menschen sind aber zugleich höchstnützlich, indem das darin liegendeGute und Böse vorthcilhaftcEindrü-ke in uns zurükc laßt. Ein scharferBeobachter der Menschen darf nurnoch einigermaßen unpartheyisch ge-gen sich selbst seyn, um durch seineBeobachtungen jedes Gute, das ersieht, sich zuzueignen und jedesSchlechte zu Besserung seiner eigenenFehler anzuwenden.
Wie nun die schonen Künste über-haupt durch ihre Schilderungen erse-tzen , was uns an würklicher Erfah-rung abgeht, so ist es ein wichtigerTheil ihres Zwcks, uns dieBeobach-tung über die Sinnesart der Men-schen zu erleichtern. Darum mahltder Historicnmahler die Scenen, diewir selbst nicht gesehen haben, undlaßt uns durch die Gesichter der Per-sonen in ihre Seelen hinein schauen;darum schildert uns der Geschicht-schrcibcr die Charaktere der Personen;darum bringt der epische Dichter die-selben mit allen Umstanden der Hand-lung so lebhaft, als es ihm möglichist, vor die Phantasie. Der größteWerth aller dieser Werke besteht dar-in, daß wir dadurch die verschiede-nen Sinnesarten, Charaktere undinnere Kräfte der Menschen kennenlernen. Der dramatische Dichter aberübertrifft darin alle andern, weil eruns die Personen selbst, so wie siehandeln und reden, vor Augen stellt.Da sieht man sie, hört sie zugleichlallt denken, und empfindet zugleich,was sie selbst fühlen.
Man sollte denken, die beste Ge-legenheit das Innerste des Menschendurchzuschallen, wäre die, da man,
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von ihm unbemerkt, ihn laut denkenhörte. Und doch ist ein noch besseresMittel dazu, nämlich dieses: daßMail ihm zuhöre, wenn er, ohne diegeringste Zurükhaltung, mit einemandern spricht; denn dieser andregiebt ihm durch Einwürfe, oder durchAufmunterung, oder durch seine Artzudenken, Gelegenheit, sich lebhaf-ter und bestimmter anszudrüken, undseine ganze Seele mehr zu entfalten.Als solche Unterredungen müssen wirdie Gespräche ansehen, von denenhier die Rede ist; und dieses ist derwahre Gesichtspunkt, in den wiruns zu stellen haben, um sie zu be-urthcilen.
Das Gespräch ist demnach eineNachahmung einer Unterredung sol-cher Personen, die ihre Art zu den-ken und zu fühlen so gegen einanderentfalten, daß der ihnen unbemerkteZuhörer in das Innerste ihrer Gemü-ther hineinsehen kann. Es giebt zwarbisweilen Gespräche, da die redendenPersonen sich verstellen; in diesemFall aber ist alles so veranstaltet, daßuns die Verstellung, die Ursachen der-selben, und die ganze Lage der Sa-chen zum voraus bekannt ist, so daßdiese Verstellung uns nicht hindert,die wahren Gedanken der Redendenauf das Helleste zu sehen.
Die Wichtigkeit dieser Dichtungs-art ist aus dem, was bereits hier da-von angeführt worden, hinlänglichabzunehmen. Es ist offenbar, daßder rechtschaffene Mann und der Bö-sewicht, der Sophist und der geradeMensch, der Kleinmüthige und derGroßmüthigc, aufdicse Weise am leb-haftesten können geschildert werden.Der große Kenner der Menschen kannsie so reden machen, daß man bei)jedem Wort tief in das Innerste ihrerSeelen hineinbliken kann.
Auch ist diese Gattung des Vor-trages sehr bequem gewisse Wahrhei-ten, die nicht sowol durch Vernunft«schlüsse, als durch das anschauende
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