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reizen, aber dem Korper keine Nah.rung geben.
Co fürtreffllche Wüeknngen dergroße Geschmak hat, so schädlich istdieser kleine und blos subtile Ge-schmak. Das Volk, bey dem erüberhand genommen hat, ist verlo-ren : denn es ist blos an artige Klei-nigkeiten gewohnt, legt den unnütze-sten Dingen, wenn sie nur die Phan-tasie reizen, einen hohen Werth bey:der schlechteste Mensch, wenn er nurwitzig und in Kleinigkeiten sinnreichist, wird für einen großen Mann ge-halten; selbst das Laster wird rühm-lich, wenn es nur in einer geistreichenGestalt erscheinet. Wie die Sparta-ner ihre jungen Leute wegen began-gener Diebstahle lobten, wenn sienur sie mit solcher Geschiklichkeit ver-übten, daß man sie nicht dabey be-treffen hatte: so ist bey den rassinir-tcu Wollüstlingen des Gcschmaks al-les lobcnswcrth, was witzig undfein ist. Dadurch verliert das Ge-niiich alle Starke, und wird vondem Großen und Erhabenen, dasdie spitzfindige Phantasie wenigerrührt, abgezogen. Ein witziges undschalkhaftes Lied, wird der wichtig-sten Rede vorgezogen; ein Mensch,der wie Sokratcs denkt und redet,macht gegen einen Pctronius schlech-te Figur, und Anakreon ist eine wich-tigere Person, als Xcnophon.
Man stehet hieraus hinlänglich,baß die Bildung des Gcschmaks ei-ne große Nationalangclcgcnhcit sey.Vernunft und Sittlichkeit sind zwardie ersten Bedürfnisse des Menschen,der sich aus dem Staub empor hebenund seine Natur erhöhen will; aberdiese Erhebung vollendet der Ge-schmeck, der beydes Vernunft undSittlichkeit vervollkommnet, dcrAn-muth und Gefälligkeit über die Hand-lungen und über das ganze Leben ver-breitet, und überhaupt das Gemüthfür das Gute und Böse empftndsa-mcr macht. Man hat ihm mehr, als
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den höhern Wissenschaften zu dan-ken. Diese haben unmittelbar einengeringen Einfluß auf die Milderungdes Charakters und der Sitten; vondem Gesthmak aber kann man mitvölliger Wahrheit sagen, er lasse demMenschen nichts von seiner natürli-chen Rohigkeit, und mache ihn füralles Gute empfindsam. So wie esein Vergnügen ist in Führung solcherGcsehäfftc, wozu Verstand und ge-naue Vcurtbeilung der Dinge vor-züglich nöthig sind, mit verständi-gen Menschen zu thnn zu haben, diegleich alles fassen: so ist es in Din-gen, wo es mehr auf ein feines Ge-fühl ankömmt, angenehm, Men-schen von Geschmak vor sich zu ha-ben, weil sie leicht jedes Gute undjedes Wolanstandigc empfinden; dader Mangel des Gcschmaks jeden Ein-gang, wodurch man sonst in die Her-zen der Menschen dringt, verschließt.Fast »och schlimmer ist ein falscheroder kleiner Geschmak; denn wo die-ser einmal sich der Gcmüther bemäch-tiget hat, da richtet man weder mitBeredsamkeit, noch mit Poesie, nochmit Musik, oder irgend einer andernder schönen Künste, etwas aus.Man hat mit Sophisten zu thun, diesich durch keine Gründe fassen lassen,sondern immer eine Spitzfindigkeitin Bereitschaft haben, die ihnen her-aushilft. Eben so üble Folgen hatein willkÜhrlicherModegcschmak, dernichts schön findet, als was nachden blos willkührlichen Regeln einereingebildeten Schönheit geformt ist.Da urthcilet man nicht mehr wederans Einsicht, noch ans natürlichemGefühl, sondern vergleicht alles, wieden Schnitt der Kleider, mit derForm, an die man sich gewöhnthat, und verwirft das Fürkrefflich-stc, blos weil es nicht nach der Modegemacht ist.
Man hat kein Wort, welches dengänzlichen Mangel, auch keines, dasdas Gegentheil des Gcschmaks aus-denkt.