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pflanzen Ein Schriftsteller vonGeschmak stellt jede gemeinnützigeWahrheit auf das begreiflichste undlebhafteste vor Augen, und weiß siein der angenehmsten Form dem Gei-ste so einzupfropfen, daß sie darinwachst und Früchte tragt. Die gan-ze Cultur der Vernunft wird durchihn befordert, weil er den nützlich-sten Wahrheiten die wahre Faßlich-keit und Kraft geben kann. Deinguten Geschmak philosophischer, mo-ralischer und politischer Schriftstellerist es zuzuschreiben, daß ein Volkvor dein andern einen höher» Gradder Crkcnntniß und Vernunft besitzt.Eben dieses gilt auch von der sittli-chen Empfindung, die vom Geschmakihre Reize bekömmt.
Aber alle diese Bemühungen derKünstler waren vergeblich, wennnicht der Saamcn des guten Gc-schmaks vep denen vorhanden wäre,für welche sie arbeiten. Je mehr derGeschmak unter einer Nation ausge-breitet ist, je fähiger ist sie auch, un-terrichtet und gebessert zu werden,weil sie das Einnehmende in demWahren und Guten zu empfinden ver-mag. Man weiß nicht, wie maneinem Menschen ohne Geschmak be-kommen soll, um ihm Liebe für dasWahre und Gute beizubringen. Erist allezeit in dem Fall, in welchemsich das römische Volk bcy jener Ge-legenheit befand, da der altere Eaeosich vergeblich bemühte, ihm heilsa-me Vorschläge zu thun, und da ihnNiemand hören wollte, weil, wieer sagt, der Magen in der Chatkeine Cchren bat.
Der Geschmak ist im Grundenichts, als das innere Gefühl, wo-durch man die Reizung des Wahrenund Guten empfindet; also würketer natürlicher Weise Liebe für das-selbe. Zugleich crwckt er ein so rich-tiges Gefühl der Ordnung, Schön-
*) S. Art. Künste.
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heit und Uebereinstimmung, daßWi-derwillcn und Verachtung gegen dasSchlechte, Unordentliche und Haßli-che, von welcher Art es seyn möge,eine natürlichcWürkung desselben ist.Der Mensch, in dessen Seele VergüteGeschmak seine völlige Bildung er-reicht hat, ist in seiner ganzen Artzu denke!» und zu handeln gründli-cher, angenehmer und gefalliger, alsandre Menschen. Er ist einer so be-ständig anhaltenden Aufmerksamkeitauf Ordnung, Schiklichkcit, Wol-anstandigkeit und Schönheit ge-wohnt, daß er alles, was diesementgegen ist, verachtet. Ihm ekeltvor allem Spitzfindigen, Sophisti-schen, Gezwungenen und Unnatürli-chen, in Gedanken und Handlungen.
Diese schatzbare Wurkung aberthut freylich der gute Geschmak nur,wenn er in seinem ganzen Umfangegebildet ist, dem man deswegen auchden Namen des großen Geschmaksbeylcgt. Menschen, denen gar nichtswichtig ist, als was die Phantasiereizt, die keine Schönheit kennen, alsdie sich in niedlichen Formen und an-mnthigen Farben zeiget, die nur andem Kleinen, Subtilen und Raffi-nirten einen Wolgefallcn haben, ge-nießen von ihrem kleinen Geschmakjene wichtigere Früchte nicht. Siewerden vielmehr, wie die Schwel-ger, die immer auf höhere Reizun-gen der Speisen raffiniren, ver-wöhnt, und verlieren den Geschmakan den einfachen Schönheiten derNatur. Der Geschmak kann eben sogut, als der Verstand, in Sophiste-rei) fallen. Man weiß, aufwas fürnichtswürdige Kleinigkeiten die größ-ten Genies unter den Scholastikern ih-ren sonst scharfen Verstand angewen-det haben. Auch die Künste habenihre Scholastiker, deren Genie undGeschmak nur auf geschraubten Witz,auf subtile Phantasien und geistrei-che Tändelcyen geht, die den Lekcr-bissen gleichen, die zwar die ZungeAa 4 reizen,