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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
372
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punkte betrachten: würkend, als einWerkzeug des Künstlers, womit erwühlt, ordnet und auszicrt; bcy demLiebhaber ist es genießend, indem esVergnügen crwekt, und das Gcmüthfähig macht, die Werke der schönenKünste zu nutzen.

Der Künstler von Geschmak suchtjedem Gegenstand, den er bearbeitet,eine gefallige, oder der Einbildungs-kraft sich lebhaft darstellende Formzu geben, und hat hierin die Naturzu seiner Vorgängerin, die nicht zu-frieden ist, ihre Werke vollkommenund gut zu inachen, sondern überallSchönheit der Formen, Annehmlich-keit der Farben, oder doch genaueUebereinstimmung der Form mit deminner» Wesen der Dinge, zu erhal-ten sucht.

Der Verstand und das Genie desKünstlers geben seinem Werk alle we-sentliche Thcile, die zur inner» Voll-kommenheit gehören, der Geschmakaber macht es zu einem Werk derschönen Kunst. Das Haus, in wel-chem alles, was zur Wohnung undzu den taglichen Verrichtungen die-net, vorhanden ist, wird dadurch,daß ein Mann von Geschmak allediese Thcile angenehm zusammen ver-einiget, daß er dem Ganzen ein ge-fälliges Ansehen und jedem Zheile,nach Maaßgebung seines Rangesund Orts, eine schikliche Form giebt,zum Werk der schönen Baukunst.Die Rede, in welcher man alles sagt,was zum Endzwck dienet, wird durcheine gefallige Anordnung derHaupt-theile, Durch die schöne Wendungeinzeler Gedanken, durch Harmonieund andre sinnliche Kraft des Ans-druks, zum Werk der Beredsamkeit.

Eigentlich macht also der Ge-schmak , der zu Verstand und Geniehinzukömmt, den Künstler aus. Je-ne höhere Gaben allein machen dengeschiktcn, den verständigen, den er-findungsreichen Mann, nur nichtden Künstler aus. Aber der Ge-

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schmak allein, wo er nicht von Ver-stand und Genie begleitet ist, kannnie den großen Künstler ausmachen.Denn da, wo der Stoff selbst keinenWerth hat, hilft die schöne Formwenig. Man trifft bisweilen Men-schen an, deren Seelen blos Phan-tasie, von Geschmak begleitet, sind,und denen es am Verstände fehlet;Menschen, die nie auf etwas anders,als auf Schönheit sehen, die, durchdas schöne Kleid völlig befriediget,nie ans die bekleidete Sache Acht ha-ben. Dieser Charakter macht diefeinen und geschmakvollen Tändleraus, dergleichen man in allen schö-nen Künsten hat. Sie sind die Zier-rathen des menschlichen Geschlechts.Ihre Werke dringen nie durch diePhantasie hindurch, und lassen denVerstand und das Herz in völligerRuhe.

Auch dem glänzendsten Witz, sagtZ?c>uug, sollte es nicht erlaubt seyn,in sich selbst verliebt, seine Annehm-lichkeiten in der eitlen Quelle desNachruhms (der Presse) zu bewun-dern, wenn er auf nichts, als seineSchönheit stolz seyn kann. Er sollte,wie Drütte, sein geliebtestes Kinddem heiligen Interesse der Tugendund dcmwürklichcuDienstdes mensch-lichen Geschlechts aufopfern.

Man sieht auf der andern Seite,daß Männer von Verstand und Ge-nie, denen es am Geschmak fehlet,sich zu den Künstlern gesellen; aberihre Werke sind nie wahre Werke derschönen Kunst. Sie können in Ge-danken und Erfindung fürtrcfflichseyn, aber die Würknng, die manvon den Werken der Kunst erwartet,haben sie nicht. Künstler von höhe-ren Gaben, ohne Geschmak, sindwas im gemeinen Leben verständigeund redliche Manner, die durch einfinsteres, steifes Wesen andre ab-schrckcn, von ihrem guten Verstandund Herzen Gebrauch zu machen.Also macht die Vereinigung jener hö-