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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
371
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G e s

ausführlicher gesprochen worden *).Hier wird dieses nur durum ange-führt, um den Tonfctzer, der diesesliest, zu überzeugen 5 daß er seingrößtes Verdienst durch den Gesangerwerben müsse. Er muß ein reinerHarmcmiste ftyn, aber blos um sei-nem Gesang die völlige Reinigkeit zugeben. Da aber diese ohne denAus-druk zu nichts dienet, so muß seingrößtes Studium auf den leiden-schaftlichen Gesang gerichtet fcyn.Melodie, Bewegung und Rhythmussind die wahren Mittel das Gemüthin Empfindung zu setzen: wo diefefehlen, da ist die höchste Reinigkcitder Harmonie eine ganz unwürksameSache.

Wir rächen dcßwegen den jungenTonsetzern, nicht alle ihre Zeit aufdas Studium der Harmonie zu wen-den, sondern den Gesang, als dieHauptsache ihrer Kunst anzusehen.Melodische Schönheiten muß dasGenie ihnen eingeben; aber um einevöllige Kcnntniß von Bewegung undRhythmus zu erlangen und bcydc inseine Gewalt zu bekommen, dazuwird Arbeit und Studium erfodert.Die Tauzmelodien verschiedener Na-tioncn enthalten beynahe alle Artender Bewegung und des Rhythmus,und nur der, welcher sich hinlänglichdarin geübt hat, kann ein Musterim Gesang werden.

Von dem Vortrag des Gesanges,wird in einem bcsondcrn Artikel ge-sprochen **).

G e s ch m a k.

(Schöne Künste.)

A)er Geschmak ist im Grunde nichtsanders, als das Vermögen SanSchöne zn empfinden, so wie dieVernunft das Vermögen ist, dasWahre, Vollkommene und Richtigezu erkennen; das sittliche Gefühl,

") S. Musik.

") S. Singen.

Ges Z7l

die Fähigkeit das Gute zu fühlen.Bisweilen aber nimmt man dasWort in einem engen, Sinn, nachwelchem man nur den Menschen Ge-schmus zueignet, bey denen diesesVermögen sich schon zu einer gewis-sen Fertigkeit entwikelt hat.

Man nennt dasjenige Schön, wassich ohne Rücksicht auf irgend eineandre Beschaffenheit, unsrer Vorstel-lungskraft aufeine angenehme Weisedarstellt; was gefallt, wenn mangleich nicht weiß, was es ist, nochwozu es dienen soll Also ver-gnügt das Schöne nicht deswegen,weil der Verstand es vollkommen,oder das sittliche Gefühl es gut fin-det, sondern weil es der Einbildungs-kraft schmeichelt, weil es sich in einergefalligen, angenehmen Gestalt zei-get. Der innere Sinn, wodurchwir diese Annehmlichkeit genießen,ist der Geschmak. Wenn die Schön-heit, wie an seinem Orte bewiesenwird »*), etwas Würkliches ist, undnicht blos in der Einbildung besteht,so ist auch der Geschmak ein in derSeele würklich vorhandenes und vonjedem andern unterschiedenes Vermö-gen, nämlich das Vermögen dasSchöne anschauend zu erkennen, undvermittelst dieser Kenntnis; Vergnü-gen daran zu empfinden. Co weitsich die Natur des Schönen erkennenund zergliedern laßt, so weit kannmau auch die Natur des Gefchmaksdeutlich erkennen. Wo die Zerglie-derung nicht mehr statt findet, daist der Geschmak ein blos mechani-sches Gefühl, dessen Grund sich nichtcntwikcln laßt. Hieraus kann manurtheilen, in welchen Fallen die ge-meine Regel: daß man sidec denGesckmak nicht streiten könne, rich-tig oder unrichtig sey.

Man kann dieses Vermögen derSeele in einem zwcpfachen Eesichts-

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H S. Schön.

") S. Schön.