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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
365
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kin großer Zeichner und ein Genie indieser Gattung wird. Zum Geniewird also auch warme Empfindungcrfodert, ohne welche der Geist niewürksam genug ist. Wo eine solcheEmpfindung bey Menschen von vor-züglichen Gaben des Geistes nur vor-übergehend ist, da äußern sich auchvorübergehende Wartungen des Ge-nies; die aber, deren Empfindun-gen herrschend worden, sind die ei-gentlichen Genies jeder Are.

Ein Mann von Verstand kannauch wol ohne Empfindung oder in-nerliches Bedürfniß, aus Mode, oderaus Lust zur Nachahmung, oder ausandern außer dcrEmpfindungchegcn-den Veranlassungen, sich in Geschaff-te einlassen, die andre aus Triebedes Genies thun. Aber alles Ver-standes ungeachtet wird er weit hin-ter dem wahren Genie zurüke bleiben;man wird das Veranstaltete, vonkalter Ucberlcgnng herkommende undetwas steife Wesen gewiß in seinemWerk entdcken; er wird sich in dieserArt, als einen Mann von Verstandund Ueberlegung, aber nicht als einGenie zeigen; man wird merken, daßsein Werk aus Kunst und Nachah-mung entstanden ist, da die Werkedes wahren Genies das Gepräge derNatur selbst haben. Wer ohne daswürkliche Gefühl einer in dem Blutesitzenden Liebe, an der.Seite einerSchonen den Liebhaber spielt, wirdsich allemal als einen Comödiantcn,oder als einen Geken zeigen: ebensowird auch der, welcher Werke desGenies ohne Genie nachahmet, sichgar bald verrathen.

Diesen Anmerkungen zu Folge wä-ren eine vorzügliche Starke der See-lcukrafte» mit einer besonder« Em-pfindsamkeit für gewisse Arten derVorstellungen verbunden, uothwcn-dige Bedingungen zuHcrvorbringungdes Genies. Damit wir uns nichtallzuweit ausdehnen, wollen wirdiese allgemeine Bemerkung nur auf

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die Arten des Genies anwenden,die sich in den schönen Künsten äus-sern.

Jede derselben hat etwas auf dieäußern Sinnen würkendes zumGrunde. Wäre unser Ohr nichtsals eine Ocssnung, die dem tobtenSchalle den Eingang in die Seeleverstattete, und unser Auge nichts,als ein Fenster, wodurch das Lichtfällt, so würde die Musik nichts alseine bloße Rede, und die Mahlereyeine bloße Schrift seyn. Daß dasGehör durch Harmonie und Rhyth-mus, das Auge durch die Harmonieder Farben und Schönheit der For-men gerührt wird, macht, daß dieMusik und die Mahlerey schöne Kün-ste sind. Für den Menschen, dessenOhr durch Harmonie und Rhythmusnicht gereizt wird, ist die Musik einbloßes Geräusch. Hieraus läßt sichabnehmen, aufwas für einem Grunddas, jeder Kunst überhaupt eigeneGenie, beruhe. Es stützet sich aufeine besondere Reizbarkeit der Sin-nen und des Systems der Nerven.Der, dessen Ohr von der Kraft derTöne dergestalt gereizt wird, daß dasVergnügen, das er daraus empfin-det, eine Bedürfniß für ilm wird,hat die wahre Anlage zum Genie derMusik; wer von der Harmonie derFarben so lebhaft gerührt wird, daßer ein vorzügliches Vergnügen daranhat, der hat das Genie des Colori-stcn; und wen die Harmonie undder leidenschaftliche Ton der Redein Empfindung bringt, der har dieAnlage zum poetischen Genie. Aberdiese verschiedenen Gattungen derReizbarkeit machen nur noch dasmechanische Genie des Künstlers aus,das noch immer nahe an den In-stinkt dcr Thiere gränzet. Der Künst-ler, der dieses Genie allein hat, istnur iit dein Mechanischen der Kein stglüklich; aber darum hat sein Werknoch den Geist nicht, wodurch es be-stimmte Würkung auf die Gemüther

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