Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
364
Einzelbild herunterladen
 

Z6ch Gen Gen

der Empfindungen ein. Dahin, wo terhaltcn wird. Denn was wir hierdieses Licht fallt, vereinigen sich die Vorstellungskräfte nennen, sind,Kräfte und Triebfedern der Seele; wenn man genau reden will, bloßeder Mann von Genie empfindet ein Vermögen oder bloße Fähigkeitenbegeisterndes Feuer, das feine ganze des Geistes, die erst alsdann würk«Würksamkeit rege macht; er cntdcket sam werden, wenn ein innerlichesin sich selbst Gedanken, Bilder der oderaußerlichcsBedürfnißihreWürk-Phantasie und Empfindungen, die samkeit erwekt und unterhält,andre Menschen in Vcrwundrung se- Seelen von geringer Empfindsam-tzen; er selbst bewundert sie nicht, keit, die durch nichts zu vorzüglicherweil er sie, ohne mühsames Suchen, Würksamkeit gereizt werden, die kei-in sich mehr wahrgenommen, als er- ne besondere Bedürfnisse haben, sol-fluiden hat. che Seelen sind bcy dem größten Vcr-

Es steht dahin, ob die Philosophie stand ohne Genie; denn dieser großejemals die eigentlichen Ursachen cnt- Verstand muß durch das Bcdürfnißdckcn werde, die das Genie hervor- in Würksamkeit erhalten werden,bringen. Den ersten Grund dazu Die verschiedenen Vermögen derscheinet die Natur dadurch zu legen, Seele liegen in einer schlaffen llnthä«daß sie den Menschen, dem sie cm tigkeit, bis irgend eine Empfindungbesonderes Genie zugedacht hat, für sie reizt, und dann würken sie, sogewisse Gegenstände vorzüglich cm- lange diese Empfindung vorhandenpfindsam macht, wodurch geschieht, ist. So wie das schlaueste und leb-daß ihm der Genuß dieser Gegen- hafteste Thier, wenn es über allestände einigermaßen zum Bedürfniß seine Bedürfnisse bis zur Sättigungwird. Wir dürfen uns nicht scheuen, befriediget ist, in einer dummendie Anlage zum Genie selbst in der Trägheit ausgcsirekt liegt, so sinkenthierischcn Natur aufzusuchen, da auch alle Kräfte des Geistes, so vielman durchgehcnds übereingekommen Stärke sie auch .sonst haben, in schlaf-ist, auch den Thieren etwas dem rige Unthatigkeit, wo nicht der cm-Gcnie ähnliches zuzuschreiben. Wir pfindfame Theil der Seele durch et-sehen, daß jedes Thier alle Eeschass- was gereizt wird, und sie zur Mark-te, die zu seinen Bedürfnissen geho- samkeit auffodert.ren, mit einer Geschiklichkeit und mit Wo demnach zu den vorzüglicheneiner Fertigkeit verrichtet, die Gc- Vorstellungskräften der Seele, einnie anzuzeigen scheinen. Bey dem bestimmtes inneres Bedürfniß dcrfel-Thicr liegt allemal ein höchst feines ben hinzukämmt, das ihnen die rechteGefühl, eine ausnehmende Reizbar- Würksamkeit giebt, da zeiget sichkeit der Sinne zum Grund. Man das Genie, und es bekämmt seine bc-bcraubc den Hund seines feinen Gc- sondere Bestimmung von der Art desruchs und Gchäres, so nimmt man Bedürfnisses. DerMcnsch von Vcr«ihm zugleich auch sein Genie weg. stand und lebhafter Cinbildungs-Bey dem Menschen scheinet das Gc- kraft, dessen Hauptbedürfniß die Lie-me eine ähnliche Unterstützung nothig be ist, wird, nach dem besondernzu haben. Wie stark auch immer sei- Grad dieses Bedürfnisses, ein galan,ne Vorstellungskräfte seyn mägen, ter oder zärrlichcrLiebhaber, einMu«so machen sie das Genie noch nicht ster und ein Genie in seiner Art, soaus: es muß irgend eine Reizung wie der Mensch von Verstand undhinzukommen, wodurch die Würk- lebhafter Phantasie, dessen Seele ei-samkeit jener Kräfte auf besondere nen vorzüglichen Gefallen an derGegenstände gelenkt und dabey un- Schönheit sichtbarer Formen hat,