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nahe fürs Gesichte bringen, daß wirsie dichte vor uns zu sehen glauben:und darin besteht die Kunst der poe-tischen Mahlerey. Wer diese nichtversteht, der kann nie starken Ein-drnk machen. Es scheinet, daß dasWesentliche der Kunst in der genauenBeobachtung der allgemeinen Per-spectiv, wenn man es so nennendarf, bestehe, die jedem einzelnTheil des Gedichts seine Entfernung,seine Große, seine Ausführlichkeit inZeichnung und Farbe bestimmt. Nurda, wo alle Regeln dieser Pcrspektivgenau beobachtet sind, entsteht dievollkommen guteWürkung des Gan-zen. Diese Kunst muß der Dichtervon dem Landschaftmahlcr lernen.Alles, was blos überhaupt dienetseine Landschaft zu charakterisircn,wird in die Entfernung gesetzt; dieMittlern Gründe werden mit Sachenangefüllt, die das Besondere derVor-stellung naher bezeichnen, ihreHaupt-theilc erscheinen schon in einigerDeutlichkeit; die Hauptsachen aber,eine Gruppe von Figuren, die Hand-lung, die der Mahler in seiner Land-schaft vorstellen will, wird auf denvordersten Grund ins Große gezeich-net. Die Personen sind uns so na-he, daß wir ihre Gcsichtsbildung se-hen, jede Gebehrde bemerken, undsie fast reden hären. Dieses beob-achtet auch der D'-chter. So hat esThomson in seinen Schilderepen derIahrszeitcn gemacht. Jede Jahrs-zeit stellt uns eine sehr ausgebreiteteLandschaft vor, deren allgemeinerAnblik auch die der Jahrszeit ange-messenen allgemeinen Eindrüke macht.An verschiedenen Stellen des Haupt-grundes aber, der zunächst vor unsliegt, hat er die reizenden Gemahldevertheilt, dcrenthalben eigentlich dieganze Landschaft gemahlt worden.
Es ist also eine Hauptsache, daßnur das Wesentliche der Vorstellun-gen in besonders ausgeführten Ge-mahlden gezeichnet werde; weniger
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wesentliche Dinge müssen flüchtigerbehandelt werden, damit sie, wie dieMahler sagen, zurüke treten. Esist ein merklicher Fehler, und ver-schicdcne gute deutsche Dichter habenihn begangen, wenn ein Gedicht mitGemahlden überhäuft wird. Mansehe die große Menge derselben inKleists Frühling und in ZachariasTageszeiten! So schon jedes Ge-mähld an sich ist, so sehr thut ihreAnhäufung dem Ganzen Schaden.Man hat in Frankreich unsre Dich-ter mit Recht darüber gelobet, daßsie sehr gute Mahler sind, und miteben dem Recht getadelt, daß sievon diesem wichtigen Talent einenMißbrauch machen. Kein Mahlcr,der die Kunst in ihrem ganzen Um-fange besitzt, wird aufseinemHaupt-grund viel cinzele, genau ausge-mahlte Gruppen anbringen. ImGedicht über die Alpen scheint Hal-lor, in Ansehung der Menge cinzelerGcmählde, das äußerste Maaß er-reicht zu haben; nur etwas mehrwürde schon Ueberflnß jepn. SeineGemählde aber stellen noch immerHauptsachen vor, die wesentlich zuseinem Inhalt gehören.
Man hat den Gedichten, darin ei.ne Mannigfaltigkeit von Gcmähldcnvorkommt, den besondern Namender mahleristhen Gedickte gegeben;und sie machen in der That eine eigeneGattung aus. Bei) uns hatHaller,so wie in England Thomson, dieselbeaufgebracht. Sie muß aber, wiegesagt, mit großer Klugheit behan-delt werden, damit nichts gering-schätziges als eine Hauptsache zunahe vors Gesicht komme, und da-mit auch nicht die Menge der Gc-mählde eine Verwirrung verursache.Die Landschaften nehmen sich nie gutaus, deren Hauptgrund mit Grup-pen überhäuft ist.
In dem epischen Gedicht, und indem Lehrgedichte dienen einzele Ge-mählde gar sehr, um dem Ganzen
Lebeu