Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
350
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nur überhaupt als eine einzigeMassevon Bäumen, in der man nichtsals die allgemeine Form und übrigeBeschaffenheit sieht, ohne einenBaum darin einzeln zu unterscheiden,in die Augen fallt.

Indem man ein Gedicht, wie dieIlias, Aeneis, oder andre von dieserArt liest, bildet man sich ein, mansehe die Sachen meistenthcils in ei-niger Entfernung, als Sachen, vondenen mau ein bloßer Zuschauer ist.Hier und da aber findet man eiuzclcEcenen, die man so zu sehen glau-bet, als wenn sie dichte vor unslagen, oder als wenn man selbstunmittelbar dabei) interessirt se».Dieses sind die eigentlichen poeti-schen Gemahlde. So sehen wir imAnfang der Aeneis die Trojaner wievon weitem auf dem Meer fahren,um einen ncuenWohnplatz zu suchen;wir vernehmen, daß die RachsuchtAnschlage gegen die Abenrheurcr ma-che, um sie in ihrem Vorhaben zuhindern u. s. f. Dieses alles liegtgleichsam fern von uns, bis derDichter das lebhafte Gemahlde desSturms, der sie überfallt, zeichnet.Da glauben wir mit ihnen auf derSee zu seyn, wir hören das Ge-schrei) der Manner, das Getöse desWindes und der Wellen u. s. f. undwir gerathen in Furcht und Schre-ken, als wenn wir selbst in dieserNoch waren.

Dieses ist überhaupt die Beschaffen-heit und Würkung einzeler poetischerGemahlde; man befindet sich in derNahe der beschriebenen Scene, siehtund fühlt jedes Einzcle darin, undempfindet eine so lebhafte Würkungdavon, als wenn man sich dieSache nicht blos in der Phantasievorstellte, sondern sie durch dieGliedmaßen der Sinnen empfände.Wie sich das Gedicht überhaupt vonder gemeinen Rede dadurch unter-scheidet, daß es alles sinnlich vor-stellt, so unterscheiden sich solche

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Geinahlde von den übrigen Theilendes Gedichtes so, daß darin eineweit größere Lebhaftigkeit herrscht,die uns glauben macht, wir em-pfinden die Gegenstände beynahcwürklich. Also sind diese Gemahldedas Höchste der Dichtkunst, sie ha-ben die Eigenschaften des Gedichtsin einem höhern Grad, als die an-dern Thcile desselben. Wenn Ho-rn; uns einen im Staate macht!-gen, dabei) üppigen und ungerech-ten Mann beschreibet, und ihm vor-wirft *):

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so giebt er uns zwar eine sinnlicheund ziemlich lebhafte Abbildung ei-nes gewaltthätigen Schwelgcrs; aberdurch das folgende kleine Gemahlde,

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werden wir noch weit lebhafter ge-rührt. Wir sehen nun, wie ein vonihm unterdrüktcr Landmann, nakcndund blos von Haus und Hof ver-trieben wird, und werden dadurchäußerst auf den Tyrannen aufge-bracht.

Die Natur dieser Gemählde bestehtdarin, daß der Gegenstand umständ-licher, als es in der übrigen Materiedes Gedichts geschieht, ausgezeich-net und durch einen mahlerischenAusdruk gleichsam mit lebendigenFarben gemahlt wird. Der Dichterverfahrt hierin genau wie der Mah-ler,

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