Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
340
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Perioden, oder auf einen witzigenAusdruk, oder auf eine Musterungund Abwiegung der Sylben undBuchstaben sehen **).

Das Gekünstelte in allen Theilender Künste ist ein Fehler, in den dieAlten, vornehmlich die Griechen, un-endlich seltener gefallen sind, als dieNcuern. Es ist unter den römischenKaisern, sowol in den redenden alsbildenden Künsten aufgekommen,nachdem eine bis zur Abschculichkcitübertriebene Ueppigkeit in der Lebens-art, diese Herren der Welt überallvon dem natürlichen Gebrauch derDinge abgeführt hatte. So wie mandamals bey den Mahlzeiten kaummehr daran dachte, dem Leib einegute Nahrung zu geben, sondern denGeschmak auf die mannigfaltigsteArt zu kützeln, so gicnss es beygar allen natürlichen Bedürfnissen.Den Gebrauch der schonen Künsteverlor man ganz, und machte sieebenfalls zu Handlangerinnen derUeppigkeit. Die natürliche Schön-heit, Vollkommenheit und Starkejedes Gegenstandes der Kunst, wurdedurch den gekünstelten Schmuk ver-drangt; und viele nehmen jetzo viellieber diese verfallene Kunst zum Mu-ster, als die edle Einfalt der altenGriechen.

Gekuppelt.

(Baukunst.)

Gekuppelte Säulen nennt man die-jenigen Säulen, die so nahe an ein-ander stehen, daß sie mit ihren Capi-teelen und Füßen einander berühren.Die alten griechischen Baumeisterhatten gewisse Säulenrveiren festge-setzt, welche sie für die verschiedenenFälle, wo Säulen angebracht wer-den, für die besten hielten. Die ge-ringste war von fünfModeln, so daßvon einem Stamm der Säule zumS. Lexru» Lwx. »ävcrk. Igirllein.

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andern allemal mehr, als eine Säu-lendike Zwischenraum war. Die ge-kuppelten Säulen sind also ein Ein-fall der Neucrn.

Vermuthlich sind sie ausgedachtworden, um die Einförmigkeit einerSäulcnstellung zu unterbrechen. DieBaumeister mögen gedacht haben, esscy schöner, wenn man, anstatt sechsoder acht Säulen in gleicher Weiteaus einander zu stellen, allemal zweyzusammensetze, und also überhauptnur drcy oder vier Hauptzwischcn-wciten bekäme. Zwey gekuppelteSäulen stellen alsdenn nur eine ein-zige vor.

Allein in diesem Fall läßt sich fürdie Zusammensetzung der Säulen keinguter Grund angeben. Da die Last,nämlich das Gebälke, das die Säu-len tragen sollen, gleich ausgetheiltist, so ist kein Grund vorhanden,warum nicht auch die Säulen gleichausgetheilt scyn sollten. Zudemschadet es dem Ansehen einer Säule,wenn eine andre zu nahe an ihrsieht. Das Auge wird nicht mehrruhig auf ihr stehen bleiben.

Doch kann es Fälle geben, wo diegekuppelten Säulen eben nicht ganzzu verwerfen sind, sondern wol garnothwendig scheinen. Nämlich inden Fällen, wo eine Säule die ganzeLast nicht tragen könnte, und wo dieeingeschränkte Höhe nicht erlaubt, siehöher, und folglich diker zu machen.Ein Beyspiel hiervon sieht man andem Portal des berlinischen Schlos-ses, das zunächst an der langen Brü-ke ist. An freystehenden Portalen,wo die Thören sich blos an Pfeileranschließen, auf welche man etwaschwere Tropheen setzen, oder dieman sonst, in Verhältnis der Höhe,ansehnlich dik machen will, werdenauch wol vier Säulen aufeinem Po-stament an einander gekuppelt.

Geiän-