Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
338
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wegung voll dem Hauptsatz merklichunterscheiden; er muß den Hauptsatznicht nachahmen, wie der Gefahrte,doch muß er aus dem Hauptsatz ge-nommen seyn, weil sonst keine wahreEinheit in dem Stük wäre. Auchmuß er so beschaffen seyn, daß ersich in mehr als einen Contrapunktversetzen lasse, damit man bcy jederWiederholung des Hauptsatzes einehinlängliche Abänderung mit demGegensatz machen könne.

Geistreich.

(Redende Künffc.)

M?an kann sich dieses Worts bedie-nen, wo das Wort witzig, wegenseiner Zwcydeutigkeit, nicht bestimmtgenug ist. Man hat den Witz inden redenden Künsten so oft über-trieben oder gemißbrancht, daß derAusdruk rviyig, wenn man ihn vonder Schreibart braucht, bisweileneinen Tadel enthält. Das WortGeistreich scheinet von diesem Fie-len noch völlig frey zu seyn, undkann für witzig gebraucht werden,wenn man die gute Anwendung desWitzes anzeigen will.

Diefemnach wäre dasjenige Geist-reich zu nennen, an dem man in ein-zeln kleinen Thcilen viel scharfsinnige,feine Gedanken und Wendungen ent-dckt, wodurch die Aufmerksamkeitauch bey Betrachtung des Einzelenbeständig gereizt und angenehm un-terhalten wird. Das Geistreichemacht einen besondern Charakter inden Werken der Kunst aus, sowiedas Pathetische. Nicht jedes schöneWerk der Kunst ist geistreich, so wienicht jedes pathetisch ist. Vorstel-lungen, die in ihrem Wesen großsind, und stark auf die Vorstellungs-oder Empfindungskrafte würken,dürfen nicht geistreich seyn. DieserCharakter schikt sich für Werke vongemäßigtem Inhalt, der mehr dieEinbildungskraft Und den Geist, als

G e k

das Herz beschäjftigen soll. Durchdas Geistreiche bekommen sie einenmchrern Reiz. Eine Comödie, einLehrgedicht, eine Satyre, auch einLied, dem leichten Vergnügen gewied-mct, und andre Werke von dieserArt, können geistreich seyn. Abereine geistreiche Tragödie oder Elegiewürde aus dem Charakter ihrer Artheraustreten.

Gekünstelt.

(Schöne Künste.)

N?an nennt dasjenige gekünstelt,dar-in die Kunst übertrieben, oder zurUnzeit angebracht ist; es sey daß dasUebertriebene in Ucbcrfluß von Zier-rathen, in erzwungenen Schönhei-ten, oder in zu weit getriebenemFleiß bestehe. In jedem Werke derKunst, das einen Werth haben soll,muß uns ein Gegenstand dargestelltwerden, der seiner Natur nach unsreAufmerksamkeit reizt. Wir müssendurch den Gegenstand gerührt oderergötzt werden. Die Künste stellenuns diese Gegenstände entweder durchgewisse Zeichen dar, nämlich durchWorte und Töne, oder sie bilden ei-nen Gegenstand nach der Aehnlichkeitdes natürlichen. In allen Fällenkann man sagen, daß die Künsteuns Zeichen darstellen, welche in unsdie Vorstellungen der bezeichnetenSachen erweken sollen. Also sind ineinem Kunstwerk nicht die Zeichen,sondern die bezeichnete Sache dasje-nige, was unsre Vorstellungskraftbeschasstigen soll. In Werken, dieman gekünstelt nennt, ist mehr indem Zeichen, als zur Bezeichnungder Sache nöthig ist. Daher wirddie Aufmerksamkeit bey solchen Wer-ken von der Sache auf das Zeichengelenkt, welches der Absicht und Na-tur der Kunst entgegen ist.

So ist eine Rede gekünstelt, wenndie Gedanken, der Ausdruk und derTon der Worte mehr Zierlichkeit,

Witz