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vorher angeführten Fall des Gegen-satzes würde man nichtnur die Grüßeder Heftigkeit des einen Menschen,aus dem großen Abstand von demKaltsinn des andern, lebhafter füh-len; sondern auch das, was demheftigen Menschen mangelt, läßt sichaus dein Betragen des sanftmüthi-gen erkennen.
Hieraus läßt sich überhaupt ab-nehmen, daß der Gegensatz eines vonden ästhetischen Mitteln sep, gewisseVorstellungen lebhafter zu machen.Alle Künste bedienen sich desselben,wiewol auf verschiedene Weise.
Es gicbt drcyerley Arten des Ge-gensatzes. Die erste Art stellt Ge-genstände von entgegengesetzter, ein.ander widerstreitender Beschaffenheitneben einander. Dieses thun dra-matische Dichter sehr oft, da siePersonen von entgegengesehen Cha-rakteren zugleich auf die Bühne brin-gen. Von dieser Art ist der Gegen-satz der tLleklra und Chrysorhemisin der Elektra des Sophokles; derAnrigone und Ismene in dem Trauer-spiel Anrigone desselben Verfassers;und in dem Misanthropc des Mokiereder gefallige Charakter des Elcances,und der strengt, etwas mürrischedes Alccfts. Eines der vollkommen-sten Beyspiele dieser Art des Con-trasts hat uns Graun in dem Duet-to der Opera Tinna gegeben. Die-ser Römer wirft der Äemilia mit Hef-tigkeit das Unglük vor, in welchessie ihn durch ihre Hitze gestürzt hatte;diese aber bittet ihrenFchlcr aufdaszärtlichste ab: er singt Allegro, sieaber Largo.
Zu dieser Art des Gegensatzes rech-nen wir auch zwey aufeinanderfol-gende, entgegengesetzte Zustände ei-ner einzigen Person; wie die glän-zende Glükscligkeit des Oedipus in,Theben im Anfange des Trauer-spiels, und sein schmählicher Zustandam Ende desselben. Der letzteremuß auf jeden Zuschauer um so viel
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mehr würfen, je lebhafter er im An-fang die Herrlichkeit dieses Königsgesehen hat. Hicher gehört auch derausnehmende Contrast in ThomsonsTancreö und Sigismunds, da Tan-cred den Vater seiner Geliebten, dener kurz vorher mit aller ersinnlichcnZärtlichkeit gcliebct und auf daskindlichste verehret hatte, jeho aufdas heftigste mißhandelt. Durchdiesen Gegensatz wird die Scene äus-serst tragisch. Eben diese Würkunzthut ein Gegensatz von gleicher Artin der-Hekuba des Euripides. Mansieht im Anfange des Trauerspielsdiese gefangene Königin aufdasäus«ferste gegen den Agamemnon erbit-tert; sie verabscheuet ihn, als denMörder ihrer Tochter: bald hernachaber, und nachdem ihre Tochterwürklich geopfert worden, nimmtsie zu diesem verabscheuetcn Mannihre Zuflucht, nennt ihn ihren Erret-ter, und flehet ihn um Hülfe gegenden Polpmestor an, der ihren Sohnauf die schandlichste Weise umge-bracht hatte.
Nicht weniger vollkommen, undvon derselben Art ist der Gegensatz,den Graun in obbcmeldter Over inder Arie O numk confl^Iio ange-bracht hat. Man sieht die Aemiliaanfanglich halbrasend über die Ge-fahr ihres Geliebten. Sie fängtnach einem heftigen Recitativ in vol-ler Wuth an zu singen und die Göt-ter um Hülfe anzuflehen: aber plötz-lich entfällt ihr aller Much, die Hi-tze legt sich, und verwandelt sich imandern Thcile der Arie in eine schmach-tende Angst.
Die zweyte Gattung des Gegensa-tzes besteht in derNebeneinandcrstel-lung solcher Gegenstände, die nichtentgegengesetzte, sondern in derselbenArt unähnliche Eigenschaften haben.Dazu gehören die beständigen Gegen-sätze der Helden des Homers. Allesind tapser, aber ihre Tapferkeit istvon sehr verschiedener Art. Diome-