Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
328
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Z28 Ge d

stcrttn Ton alltagliche Dinge sagt,so verdient er, daß man ihn von derEcene wegjage.

Dieses wird hinreichend seyn, denwahren Charakter des Gedichts festzusehen, und jedem Menschen voneinigem Nachdenken die Grundsatzean die Hand zu geben, nach welchenein Gedicht zu bcurtheilenist*). Manwird auch daraus abnehmen können,daß ein vollkommenes Gedicht nichtssehr gemeines, das man überall an-trifft, seyn könne; weil nur die erstenund besten Kopse einer Nation alleshaben können, was von einem wah-ren Dichter kann gefodert werden.Mit diesen Grundsätzen versehen,wird ein verstandiger Mann von denGedichten, die bey einem Volke, wodie schönen Künste zur Mode gewor-den, in so reichem Uebcrfiuß vorhan-den sind, leicht die wenigen gutenaussuchen, und die übrigen, wieniedriges Gesträuch, das um einehohe Eiche herumsteht, aus dem We-ge zu räumen und zum Verbrennenin Bündel zu fassen wissen.

Man hat verschiedentlich versucht,die mancherlei) Gattungen und Artender Gedichte in ihre natürlichen Clas-seu und Abtheilungen zu bringen, sichaber bis dahin noch nicht über denGrundsatz vereinigen können, der dieAbzeichen jeder Art bestimmen soll.Von großer Wichtigkeit möchte auchdie beste Einthcilung der Dichtungs-arten nicht seyn, wicwol man ihrauch ihren Putzen nicht ganz abspre-chen kann.

Einer der ncuern französischenKunstlichter **), der wegen seinerfließenden und artigen Schreibart inDeutschland vielleicht zu viel Ein-gang gefunden, stellt sich an, als obdie Eintheilung der Gedichte in ihrenatürlichen Gattungen die leichtesteSache von der Welt sey. Aber einerseiner deutschen Ucbcrsetzcr hat ihn

S. Dichter; Dichtkunst; Gedanken.

") Datlcux.

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auf dieser Stelle in seiner Blöße ge»zeigt *).

Die Alten haben sich hierüber ebennicht viel Mühe gegeben. So wiedas Genie ihrer Dichter die verschie-denen Gattungen der Gedichte her-vorgebracht hatte, gaben sie ihnenNamen, ohne sich viel darum zu be-kümmern, die innerlichen Kennzeichenjeder Gattung zu bestimmen. EinigeArten erhielten ihren Namen blosvon der äußern Form, andre vondem Inhalt. Doch ist Aristoteles,nach seiner Art, hierüber subtil undmethodisch, obgleich seine Einthei-lung zu nichts dienen kann. Da erdasWcsen desGcdichts in derNach-ahmung setzt, so bestimmter die Gat-tungen desselben aus der Beschaffen-heit der Nachahmung, und bekömmtdrcyerley Gattungen. Die erste wirddurch die Instrumente der Nachah-mung bestimmt; die andre durch denGegenstand der Nachahmung; unddie dritte durch die Art der Nachah-muug.

Die Instrumente der Nachahmungsind die Sprache, die Harmonie undder Rhythmus; und der Philosophbestimmt verschiedene Arten des Ge-dichts dadurch, daß sie eines oderdas andre, oder mehrere Instrumen-te der Nachahmung brauchen. DieEpopee macht nach seinen Begriffeneine besondere Gattung aus, weil sieblos die Sprache zum Instrumentder Nachahmung braucht. Die ly-rische Art wird dadurch bezeichnet,daß sie Sprache, Rhythmus undHarmonie braucht u. s. f. Es istaber hieraus schon hinlänglich abzu-nehmen, daß aus diesen Subtilitatenwenig Nutzen zu ziehen sey.

Vielleicht könnte man eine frucht-barere Eintheilung der Gedichte indie Hauptgattungen, aus den ver-

schie-

») S. Schlegels Abhandlung von derEinthcilung der Poesie in dem U Zchcilfeiner Ucbcrsctzung des Battcux.