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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
327
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nung in seinem Gcmüthe, stutzen.Diese Unordnung aber ist immer mitgroßer Lebhaftigkeit der Vorstellungbegleitet, bringet starke und kühneGedanken und sehr lebhafte Bilderhervor, die den Zuhörer in Verivun-drung setzen.

Dieses sind also die Hauptkenn-zeichen, wodurch sich das Gedichtvon jeder andern Rede unterscheidet.Da sie von mancherlei) Art sind, jedeArt aber viel Grade zulaßt, so ent-steht daher eine große Mannigfal-tigkeit in der Form und Beschaffen-heit der Gedichte, bcy cinerlcy In-halt.

Mehr oder weniger Züge von die-sen« Charakter müssen sich nothwen-dig in jedem Gedichte zeigen, dasseinen Ursprung in einer poetischenGemüthslage des Dichters hat. Daaber manches Gedicht blos aus Nach-ahmung entstanden, und der Dichtersich durch Zwang in jene Gcmüths-fassung setzet, den Ton und die Spra-che der natürlichen Poesie nach Re-geln bildet: so geschieht es auch, daßbisweilen Werke hervorkommen, dienur den äußerlichen Schein der Ge-dichte haben; daß ein vermeinterDichter einer ganz gemeinen Redeetwas von dem Kleide der Dichtkunstanzieht. Dadurch aber werden sol-che Werke deßwegen nicht zur Würdeder Gedichte erhoben; sie sind viel-mehr Mißgeburten, die zu gar kei-nen natürlichen Gattungen der Redekönnen gerechnet werden. Es wirdauch dem schlanesien Kopf selten ge-lingen, wenn er würklich nicht inpoetischer Fassung ist, feine Rede sozu verfertigen, daß sie alle natürlichenKennzeichen des Gedichts an sich habe..Nur das Gedicht kann vollkommenwerden, das von einem würklich dich-terischen Genie, in wahrer, nicht zumSchein angenommener, poetischerLaune entworfen, und nach den Rc-

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gel» der Kunst init feinen: Geschmakausgearbeitet worden.

Es erhellet aber aus diesen überden Ursprung und die natürlichenKennzeichen des Gedichts gemachtenAnmerkungen, daß das, was wirdie poetische Laune genennt haben,die eigentliche Quelle der Dichtkunstsey- Soll das Gedicht cinigenWcrthhaben, so muß diese Laune eine merk-würdige Veranlassung haben; dennschwache Gemüther von lebhafterEinbildungskraft, werden oft durchkindische Veranlassungen in Laune ge-setzt; aber wer giebt sich die Mühedarauf zu achten? Hiernachsi abermuß diese Laune durch Beredsamkeitunterstützt «verden; denn wer das,was er denkt oder fühlt, nicht mitLeichtigkeit sagen kann, der kannwol unser Auge, aber nie unser Ohrauf sich ziehen; also muß der Dich-ter auch ein beredter Mann seyn, ermuß Leichtigkeit und Rcichthum desAusdruks haben. Endlich aber müs-sen beydcs Laune und Beredsamkeitvon Verstand und Genie unterstütztwerden. Die launige und fließendeRede muß Gedanken und Empfin-dungen vortragen, die etwas unge-meines, '.vichtiges und großes ha-ben, die, wie Horaz sich ausdrükt,des so weit geöffneten Mundes unddes vollen Tones würdig seyen; äi»AN» tar>tc> liiatu! Sonst wird derDichter lächerlich; denn sein Tonund Ausdruk kündiget allemal etwasMerkwürdiges an. Dadurch giebtsich jeder Dichter für einen Mannaus, dem jedermann ein aufmerksa-mes Ohr leihen soll, als einem Men-schen , der etwas Wichtiges vorzu-tragen hat. Darum sagt Horaz mitdem größten Recht, daß weder Göt-ter noch Menschen dem Dichter er-lauben dürfen, mittelmäßig zu seyn,weil bei) der großen Veranstaltungdas Mittelmäßige höchst unerträglichwird. Betrügt er unsere Erwar-tung, indem er uns in seinein begei-

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