Z24 Ged
gemeine Rede; denn da die Empfin-dung immer einerlei) ist, und sich im-mer gleichsam auf sich selbst herumdreht, so entsteht ganz natürlich et-was rhythmisches darin. Wer vorFreude hüpft und springt, der wird,so lange die Empfindung währet, dieeinfach und immer einerlei) ist, diesel-ben Sprünge oft wiederholen; undso wird es auch mit den Sahen derRede gehen. Ihr Ton und Abfallist eine Würkung der Empfindung,und da er zugleich auf die Sinnenwürkt, so unterhalt und stärkt erauch wiederum die Empfindung selbst.Hieraus läßt sich einigermaßen derUrsprung des Verses begreifen , derfrcylich in, Anfang sehr roh gewesen,aber nachher durch die Kunst seineFormen bekommen hat. Man kannalso sagen, daß der Vers dem Ge-dichte natürlich scy.
Weil aber ein rhythmischer Fast derRede nur eine der verschiedenen Wür-kungen der poetischen Laune ist, undweil ohne den, durch die hinzngekom-mene Kunst, regelmäßig gemachtenVers, die Rede einen ungekünsteltenRhythmus haben kann, so berechti-get uns der Mangel der regelmäßi-gen Versification noch nicht, einerdie übrigen Kennzeichen des Gedichtshabenden Rede den Namen des Ge-dichts zu versagen. Doch ist unfehl-bar in jeder Rede, die aus würkli-cher dichterischer Laune entstanden,das Periodische ganz anders, als inder gemeinen, oder auch in der blosberedten Rede. Also hat auch dieso genannte poetische Prosa allemaletwas in ihren Abfallen, wodurchsie sich auszeichnet. Hieraus ist al-so klar, daß der regelmäßige Vers,nachdem die Poesie zur Kunst ge-worden, bey jedem Gedicht sich fin-den sollte, jedoch der Mangel dessel-ben, wenn nur sonst der Charakterdes Gedichts vorhanden ist, es vonden Werken derDichtkunst nicht aus-schließe.
Ä e d
Aber der Vers ist nicht das ein-zige, was zum Ton d>s Gedichtsgehöret. Wer in voller Empfindungspricht, sucht Wärter ans, derenKlang ihr angemessen ist und sie nn-tcrhält: die Freude liebt volle undleichte Tone, die Traurigkeit gedchn»te und eindringende. Daher wirdder poetischen Sprache ein gewisserlebendiger AuoSruk eigen, der ansich, wenn man auch den Sinn derWorte nicht verstünde, dieGcmüchs-läge des Dichters zu erkennen gicbt.Diesen Ausdruk muß das Gedichthaben, es sey in gebundener oderungebundener Rede verfaßt.
Noch zeiget sich eine dritte Eigen-schaft der poetischen Rede, die wirauch noch zum Ton derselben rechnenkönnen. Weil der Dichter ganz mitseinem Gegenstand beschäfftigt ist,und nichts anders weder Hort nochsieht, so ist ihm, wie einem Träu-menden, jede Sache ganz gegenwär-tig. Er macht zwischen dem Ver-gangenen und Zukünftigen, zwischendem Gegenwärtigen und Abwesenden,keinen Unterschied. Dieses giebt sei-ner Rede in Ansehung der Vcrbin-dungsworter, in Ansehung der An-ordnung und der grammatischen Zu-sammensetzung, ein ganz eigenes Ge-präge, das sich besser empfinden alsbeschreiben läßt. Anstatt der ver-gangenen oder zukünftigen Zeit,braucht der Dichter oft die gegen-wärtige. Bald läßt er die Vcrbin-dungsworter weg, bald aber brauchter andre, die zukünftige Dinge alsschon gegenwärtig, vorstellen: irzr,anstatt hierauf; er redet oft in derzweyten Person, wo die gemeineRede die dritte braucht. Der-gleichen Abweichungen von demgewöhnlichen Ausdruk, die dempoetischen Ton eigen sind, gehö-ren nothwendig zum Ausdruk desGedichts.
Dieses