Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
322
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Z2Z Ged

Verdienste durch äußerlichen Prunkzeigen will,

Gedicht.

W?an hat schon von sehr langer Zeither versucht, den eigentlichen Begriffdes Gedichts festzusetzen, vermittelstdessen man das Werk der Dichtkunstvon dem, was die Beredsamkeit her-vorbringt, unterscheiden konnte; dennschon Aristoteles hat davon gespro-chen.Die gebundene und ungebun-dene Rede, sagt dieser Philosoph, un-terscheiden den Geschichtschrciber undden Dichter nicht genug; denn wennman auch die Geschichte des Hcrodo-tus in Versen vortragen wollte, sowürde sie dennoch eine Geschichteund kein Gedicht seyn. Diese Hey-den Gattungen sind darin wesentlichvon einander unterschieden, daß jenedie Sachen erzahlt, wie sie geschehensind, diese, wie sie hatten geschehenkönnen *)." Seitdem der griechischeKunstrichter dieseFrage, vielleicht zu-erst, aufgeworfen, und so gut, alser konnte, beantwortet hat, ist sietausendmal wiederholt, und jedesmal,wo nicht ganz, doch zum Thcil unent-schieden gelassen worden. Denn auchdie genaueste und richtigste Erklärungdes Begriffs, die, welche Daüm-garten gegeben hat*'), bestimmt ihnnicht völlig, da in dem Begriffe desVollkommenen noch immer viel un-bestimmtes ist.

Es kann aber auch nicht andersseyn; denn die gemeine Rede, die,welche ein Werk des Redners ist, unddie, die von der Dichtkunst erzeugetwird, sind Werke, die mehr durchGrade, als durch wesentliche Kenn-zeichen in verschiedene Arten abgeson-dert werden. In dergleichen Dingenaber lassen sich die Eränzen, wo die

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Arten aufhören oder anfangen, nichtunterscheiden. Wer kann das Jahrangeben, wo der Jüngling zumMann, und der Mann zum Greiswird? Darum darf es uns nicht be-fremden, daß man Werke der reden-den Kunst antrifft, von denen manungewiß ist, ob sie der Beredsamkeitoder der Dichtkunst zugehören.

Dessen ungeachtet aber ist weder dieCintheilung der redenden Kunst ingenieine Rede, Beredsamkeit undDichtkunst, zu verwerfen, noch dieVersuche jede Art durch Kennzeichenzu bestimmen, zu tadeln. DieBaum-gartensehc Erklärung des Gedichts,Saß es eine vollkommene sinnlicheRedest/, ist st richtig und so be-stimmt, als sie seyn kann, ob sie gleichnicht in jedem Fall hinreicht, zu ent-scheiden, ob ein Werk der Beredsam-keit oder der Dichtkunst zuzuschreibensey. Vielleicht wäre die Erklärungetwas bestimmter, wenn man sagte:das Gedicht sey eine sinnliche Rede,die jede Art der Vollkommenheit ansich hat, die ihr Inhalt vertragt.Aber dadurch würde keiner ungebun-denen Rede der Name des Gedichtszukommen, weil jede Rede den Wol-klang, der aus dem Vers entsteht,verträgt.

Wir wollen indessen versuchen,die gemeine Rede, die Beredsamkeitund die Dichtkunst, jede durch ihrzukommende Kennzeichen, zu unter-scheiden.

Die gemeine Rede ist gleichsameine historische Erzählung dessen, waSwir denken. Sie sucht ohne alleVeranstaltungen sich geradezu aus-zudrükcn, und ist mit jedem Ausdrukzufrieden, wenn er nur bestimmt undverständlich ist. Die Beredsamkeitist überlegter und künstlicher; da sienicht blos die Absicht hat, verständ-lich zu seyn, sondern durch das, wassie vorbringt, etwas besonders aus-zurichten sucht, so überlegt sie genau,was sie zu diesem besondcrn Zwek zu

sagen