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sen den Virgil selbst gehindert, dasFalsche in den Gedanken z» sehen?Die Sibylle sagt zum Aeneas, alser seine Reise nach dem Tartarusvornimmt:
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Der ganze Gedanke ist grundfalsch.In den Worten kacilis äcicentus^verni, Rottes etc. wird der Tododer das Sterben verstanden. Ae-neas aber will bey lebendigem Leibeherunter, und da ist das Herunter-fahrcn und Heraufsteigen gleich leichtoder schwer. Sobald man einer Vor-stellung ihr Kleid ausgezogen, kannman ein zuverlaßigesürrheilvondemWerth der Gedanken fallen.
Sehet ihr ein historisches Gcmahl-de, so suchet zu vergessen, daß es einGemahlde ist; vergeßt den Mahler,dessen zauberische Kunst durch Lichtund Schatten Korper hervorgebrachthat, wo keine sind. Bildet euch einwürkliche Menschen zu sehen, undgebet alsdenn auf die Handlungendieser Menschen Achtung. Sehet zu,ob sie wichtig seyn, ob die Personenin ihren Gesichtern, Gebehrden undBewegungen, Gedanken und Empfin-dungen anzeigen; ob ihr die Spracheihrer Mienen und Gebehrden verste-her, und ob sie euch etwas merkwür-diges sagen. Findet ihr es nicht derMühe Werth, diesen in eurer Einbil-dung würklichen Menschen zuzusehen,so hat der Mahler schlecht gedacht.Hört ihr ein Tonsiük, so suchet zuvergessen, daß ihr Töne von einemleblosen Instrument höret, die nichtanders, als durch eine große Fertig-keit der Finger oder der Lippen her-vorgebracht werden können. Stelleteuch vor, ihr höret einen Menschen?rvr?ter Tbcil.
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in einer unbekannten Sprache reden,und gebet Achtung, ob seine TöneEmpfindung ausdrüken; ob sie RuhedesGemüthes, oder Unruhe, sanfteoder heftige Leidenschaften, fröhlicheoder traurige anzeigen; ob diese,den einzeln Worten nach unverständ-liche Sprache, den Charakter einesRedenden ausdrükt; ob er edel odergemein, ob er als ein vernünftiger,oder als ein wahnsinniger spricht.Könnet ihr nichts dergleichen entde-ken, so beklaget den Meister, daß ermit so viel Kunst keine Gedanken ver-bunden hat.
Auf eben diese Art müssen auch dieGedichte, besonders die lyrischen, be-urtheilet werden. Nur die Ode hateinen Werth, die, nachdem sie allesSchmuks der Poesie beraubet ist, indem Gemüth etwas zurüke laßt, dasihm Nahrung und Kräfte giebt.Man kann am besten davon urthci-lcn, wenn man sie in die gemeineSprache übersetzet, und ihr sowoldie poetischen Farben, als den Klangbenimmt. Bleibet alsdenn nichtsübrig, das ein Mensch von Verstandund Nachdenken zu seiner Ueberlegungbehalten möchte, so ist die Ode beymschönsten Klang und bey dem glän-zendsten Colont") ein schönes Kleid,das einem Mann von Stroh angezo-gen ist. Wie sehr irren sich die, diesich einbilden, man könne mit reicherPhantasie und einem guten Ohr, einOdendichter seyn.
Erst alsdenn, wenn man die Ge-danken eines Werks in ihrer bloßenGestalt enrdekt hat, laßt sich urthei-len, ob das Kleid, das die Kunst ih-nen angezogen hat, anständig undihnen angemessen sey oder nicht. EinGedanke, dessen Rang und Werthaus seiner Einkleidung muß erkenntwerden, hat eben so wenig eigenenWerth, als ein Mensch, der seine
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') S. Farben (poetische).
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