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nehm, ja so gar nicht begreiflich sey.Der Grund ist offenbar; denn derMangel der Begranzung hindert uns,einen bestimmten Begriff von derSache zu haben; wir können nichtwisse;!, was sie seyn soll. Da wiralso nicht urtheilcn können, ob siedas ist, was sie seyn soll, so kannsie auch nicht gefallen. Und hierauserhellet, daß jedes Werk der Kunstein wahres Ganzes seyn müsse, weiles sonst nicht gefallen könnte. Dar-um gehört die Betrachtung derjeni-gen Eigenschaften der Gegenstande,wodurch sie zum Ganzen werden, indie Theorie der Künste.
Wir wollen also die schon cntwikel-ten allgemeinen Begriffe nun auf dieWerke der Kunst anwenden. Es ge-hören zwey Eigenschaften dazu, daßein Werk der Kunst ein Ganzes wer-de: Verbindung oder Vereinigungder Theile, und völlige Beschränkung;aus jener entsteht die Einheit, dieschon an einem andern Ort in Be-trachtung gezogen worden *); ausdieser die Vollständigkeit. Ein Ge-genstand bekömmt seine eigene Be-schränkung, wodurch er als etwasfür sich bestehendes angesehen, undnicht blos für einen Theil von etwasandern gehalten wird, auf zweyer-ley Weise. Erstlich dadurch, daßer außer aller Verbindung mit an-dern Dingen gesetzt wirdftund her-nach, daß er seine merkliche oderfichtbare Begränzung hat-
Im strengen philosophischen Sinnmacht nur die Welt ein wahres Gan-zes; jedes in der Welt vorhandeneEinzcle aber ist ein Theil, der fürsich nicht bestehen, auch nicht einmalerkennt werden kann. Aber ein sometaphysisches Ganzes darfcin Werkder Kunst nicht seyn. Die Gegen-stände werden da nie in allen ihrenmetaphysischen Verhältnissen undVerbindungen, sondern allemal nuraus einem einzigen Gesichtspunkte be-*) S. Einheit.
Gau
trachtet: also ist es genug, daß siein Rüksicht auf denselben ein Ganzesseyen. Wenn man also nur für denbefonbern Gesichtspunkt, ans wel-chem e.n Gegenstand angesehen wird,außer ihm zu völliger Kenntnis derSache nichts nöthig hat; wenn garalles vorhanden ist, was zur beson-dern Absicht des Künstlers dienet: soist sein Gegenstand hinlänglich vonder Masse der in der Welt vorhande-nen Dinge abgerissen, um für sichein Ganzes auszumachen.
Man kann die Aufmerksamkeit sostark auf einen Theil richten, daßman das Ganze, dem er zugehöret,kaum gewahr wird. So geschiehtes, daß in einer Reyhe von Regen-ten ein vorzüglich großer Fürst sich sosehr ausnimmt, daß man seine Vor-gänger und Nachfolger aus dem Ge-sichte verliert. Wenn also der Künst-ler feinen Gegenstand interessant zumachen, und unsre Aufmerksamkeitganz auf ihn zu lenken weis, so löseter ihn dadurch von dem Ganzen, demer zugehört, ab, und kann ihn selbstleicht zu einem Ganzen machen.
Die Geschichte der Aufopferungder Iphigenie ist ein Theil der Ge-schichte des trojanischen Krieges; die-ser ist ein Theil der Geschichte deralten Griechen und Asiater, die wie-der ein Theil der allgemeinen Ge-schichte der Menschen ist. Der Dich-ter, der diesen einzeln kleinen Theilder Geschichte als ein besonderesGanzes vorstellen will, muß dieAufmerksamkeit von allen Dingen,womit die Aufopftrung der Iphige-nie, zusammenhanget, abwenden,und sie als eine an sich selbst sehr wich-tige Sache vorstellen. Deßwegcnsoll er nicht vom trojanischen Krieg,von den Ursachen desselben, vonden Zurüstungeil dazu, sondern so-gleich von der Hauptfache sprechen,und uns den Agamemnon in deräußersten Verlegenheit zeigen, da-mit wir gereizt werden, diese Ver-legen-