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gebührt dabey zu Merlegen, wo erdie Gemüther mit Furcht oder mitMuch erfüllen soll. Es gicbt gewisseUcbel, die man sich schlechterdingsdurch Nachlässigkeit oder schlechtesBetragen selbst zuziehet. Für solcheUebel können die Künste nie genugFurcht erwekcn. Horaz sagt vomgerechten Mann, pejusguo leto sis-kicium cimet *). Vor Schande, La-ster und einem bösen Gewissen, mußsich jeder Mensch fürchten. Alsomüssen Dichter und Redner keine Ge-legenheit vorbeygchen lassen, dieseso heilsame Furcht dadurch zu erwe-kcn, daß sie würklich fürchterlicheFolgen derselben lebhaft vorstellen.Dadurch erhalten sie, was Aristote-les vom Trauerspiel fodert, daß esdie Gemüthcr durch Crwekung derLcidcnschaftcn, von denselben reinige.Natürlicher Weise könnte man vonMenschen, welche oft durch die Bcy-spiele, die sie in dramatischen Vor-stellungen gesehen, in Furcht gesetztworden, erwarten, daß sie sich sehrsorgfaltig hüten, nicht selbst in dieFälle zu kommen, die sie der ängst-lichen Würkung der Furcht aus-setzen.
Welcher Vater wird sich nicht sorg-fältig hüten, allzustrenge gegen ei-nen Sohn zu sei)u. wenn er an frem-den Beyspiclen fürchterliche Folgender Härte gesehen hat; und welcherSohn wird sich nicht auf das Aeus-serste angelegen scyn lassen, seinenVater durch eine Folge von bösenThaten nicht zur Verzweiflung zubringen, wenn er fürchterliche Fol-gen einer solchen Verzweiflung gese-hen hat? Wir führen dieses blosals Winke an, wie die Dichter heil-same Furcht crwcken können. Ihnenliegt ob, die wichtigsten Vergehun-gen der Menschen m ihren fürchter-lichsten Folgen zu schildern.
Eine heftige Furcht mit Angst ver-bunden, scheinet eine so entsetzliche0ä. I..IV. ?.
F u r
Leidenschaft zu scyn, daß der, wel-cher sie einmal gefühlt hat, den Ein-druk davon nie wieder verlieren sollte.Also ist sie natürlicher Weise dasbeste Vcrwahrungsmittcl gegen Ver-gebungen. Deßwegen ist das Fürch-terliche einer der wichtigsten Gegen-stände der schönen Künste.
Am vorzüglichsten kann es in demDrama erwekt werden, weil diewürkliche Vorstellung sowol der Ge-fahr , als des in Furcht gesetztenMenschen, der ganzen Sache denhöchsten Nachdruk und das wahre Le-ben gicbt. Hierin sind unter denAlten Acschylus, unter den NeuernShakespcar und Crebillon vorzüglichglüklich gewesen. Wenn das Dra-ma gar keinen Nutzen hätte, als daßes unter allen Werken der Kunst amstärksten die Furcht erwekcn kann,so wäre es blos dieser Ursache halbereine höchst schatzbare Erfindung.
Die Furcht ist auch eine comischeLeidenschaft, wo sie zur Unzeit ausKleiumüthigkeit entsteht, oder ausZaghaftigkeit übertrieben ist. Siewird deßwegen oft in der Comödicgebraucht, um den Zaghaften lächer-lich zu machen; und eben dieses Lä-cherliche kann den Zuschauer vermö-gen, sich gegen diese Leidenschaft zuwaffnen.
Für sich.
(Dramatische Dichtkunst.)
In den Auftritten der dramatischenSchauspiele versteht man durch dieseBenennung, die Reden und andreAeußerungen, die eine handelnde Per-son zwar in Gegenwart anderer, aberihnen unbemerkt und für sich alleinvorbringt. Die Dichter bedienen sichdessen als eines Mittels, dem Zu-schauer einiges Licht über die Verwik-lung der Handlung zu geben, oder ei-nen Auftritt etwas mehr zu beleben.Allein da es meistcntheils etwas un-natürlich ist, weil niemand leicht in
Gegen-