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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
281
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F u r

Für

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verdoppeln, die einen Vorhalt hat;also beym Nonenaccord die Quinte,wie hier:

I I

Der fünfstiinmigc Satz muß über.Haupt eben so rein, als der vierstim-mige seyn; nur in den Mittelstim-men vermeidet man Quinten undOctaven nicht milder genauen Sorg,falt, wie im drey - und vierstimmi-gen Satz. Die äußerste Stimmeaber muß gegen den Baß auch hiervollkommen rein seyn.

Furch t.

(Schöne Künste.)

Aiese Leidenschaft kann anf verschie-dene Weise und bcy mancherlei) Ge-legenheit ein Gegenstand der schonenKünste werden. Es ist leicht zu be-merken, ans was für Absteht dieNatur den Menschen die Fähigkeit,Furcht zu fühlen gegeben hat. Siedienet fürnchmlich, damit wir durchsie der Gefahr entgehen, die unsdrohet. Dieses geschieht entwederdurch die Flucht, oder durch denSieg, den wir über den uns drohen-den Feind erhalten.

Der sinnliche Mensch, der nichtgewohnt ist, seinen Zustand von allenSeiten her mit Uebcrlcgung zu be-trachten, noch die Folgen seinerHandlungen zum voraus zu überden-ken , geräth in eine trage Sorglosig-keit, wodurch er sich in mancherlei)Uebel stürzet, denen er durch Furcht,wenn er sie nur zu rechter Zeit ge-fühlt hätte, entgangen wäre. Ostaber geschieht es auch, daß man

durch nnzeitige Furcht mitten imUebel steten bleibt, aus welchem mansich mit einigem Muth würde herausgezogen haben. Leichtsinnigkeit undMangel der Uebei legung machen sorg-los und unbesonnen, so wie sie auchzaghaft machen. Es gehört alsozur Vollkommenheit des Menschen,daß er auf der Mittelstraße, zwi-schen der Unbesonnenheit und Zag-haftigkeit, cinhcrgche. Dem Künst-ler liegt ob, keine Gelegenheit zu ver-säumen, ihm, wo es nöthig ist, dasGefühl der Furcht zu schärfen , oderzu schwachen.

Die Furcht entsteht aus der Vor-stellung der Gefahr, diese aber auseinem vorhandenen oder herannahen-den Uebel. Es ist wichtig, daß einMensch jedes beträchtliche Uebel, dasihn nach seinen Umständen betreffenkann, kennen lerne. Nun ist es dasunmittelbarste Geschäffte der schonenKünste, uns alle im menschlichenLeben vorkommende Vorfalle abzu-bilden, und uns einigermaßen daszu ersetzen, was uns an eigener Er-fahrung abgehet *). Also muß derKünstler, der seinem Beruf Genügeleisten will, jedes Gute und Bösekennen, und als ein verständigerund gesetzter Mann, der weder un-besonnen noch zaghaft ist, zu behan-deln wissen. Denn dieses ist der ein-zige Weg, den Gemüthern der Men-schen, in Absicht auf die Leiden-schaft der Furcht, die vorthcilhafte-sic Stimmung zu geben.

Der Künstler muß also keine Gele-genheit versäumen, die Menschen mitallen Arten der Gefahren und desUcbels, -denen sie ausgefetzt sind, be-kannt zu machen. Die beste Gele-genheit dazu haben die epischen unddie dramatischen Dichter, deren ei-gentliches Werk es ist, die mannig.faltigen Sccnen des Lebens uns vorAugen zu bringen. Dem KünstlerS 5 gebührt

*) S. Künste.