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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
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sagt von einer gebundenen, oder un-gebundenen Rede, sie scy fließend,wenn sie wie ein sanfter Strom sofortgeht, daß weder das Ohr, nochdie inner» Sinnen einmal merklichstarker, als das andre gereizt werden;wenn alles leicht ans einander folgt,daß man in seinen Vorstellungen, oh-ne merkliche Unterbrechungen, underneuerte oder veränderte Aufmerk-samkeit, sanft fortgeführt wird. Aufeine ähnliche Art ist ein fließendesTonstük beschaffen, oder eine fließen-de Melodie, wenn alles ungezwun-gen, ohne schnelle Veränderungen,in unfern Vorstellungen hinter einan-der folget. Man nennt auch eineZeichnung fließend, wenn die Umris-se ohne Unterbrechung, ohne starkeoder schnelle Wendungen, ohneZwang, in angenehmen Krümmun-gen fortgehen.

Das Fließende ist demnach demHolprigen und Rauhen gerade ent-gegen gesetzt, wobcy die Aufmerk-samkeit alle Augcnblike anstößt, ei-ne Weile gehemmt, oder verstärktwird. Auch das Feurige und Leb-hafte, und das wilde Rauschende,sind dem Fließenden einigermaßenentgegen.

Das Fließende hat anßcr derLeichtigkeit auch die Würkung, daßes das Gemüth nur sanft angreift,angenehm, aber fast unvermerkt voneiner Vorstellung zur andern fortfüh-ret, und uns in stiller Betrachtungeinwieget, wiewol es uns auch nachund nach bis zum sanften Reizfortziehen kann. Und hieraus ist zusehen, daß das Fließende nur in de-nen Werken oder Theflen der Werkestatthat, welche allmahlig auf dasGemüth würkcn sollen. Es wäreein Fehler in den Werken, die unsüberraschen, fortreißen, oder über-haupt in starke und lebhafte Empfin-dungen setzen sollen. Es ist eine we-sentliche Eigenschaft des blos Ange-nehmen M Sanftrcizendem Stil-

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le, wiewol ticfsitzendc Leidenschaften,liebliche Vorstellungen der Phanta-sie, muffen auf eine fließendcArt be-handelt werden, eben so wie das,was man Unterhaltend und Ergö-tzend nennt.

Virgil ist in den angenehmen Sce-ncn, die er beschreibt, Ovidius undEuripides insansten Affekten und an-genehmen Gcmählden, Phädrus undLa Fontaine in ihren Fabeln fließend.Granns meiste Melodien sind Musterdes Fließenden.

Es ist ein Zeichen eines schwachenGenies, oder eines verdorbenen Ge-schmaks, wenn man in Werken derKunst alles fließend verlangt; dennauf diese Weise könnten die größtenWürkungen oft nicht erhalten wer-den. Vielmehr ist das Fließende garoft ein Fehler. Es wäre lächerlich,wenn ein Redner bey Vorstellung ei-ner nahen Gefahr das Fließende inseiner Rede suchen wollte. Es istallen heftige» und strengen Leiden-schaften gänzlich entgegen.

Es erfordert aber einen Reichthnmder Gedanken, eine Kunst seine Vor-stellungen auf alle Seiten umzuwen-den, eine Fertigkeit in allen Wendun-gen, und feine Sinnen, um dasFließende zu erreichen.

Florentmische Schule.

Nie Stadt Florenz ist schon seit vie-len Jahrhunderten ein vorzüglicherSitz der zeichnenden Künste; sie hatin alicnZweigen der Kunst eine so be-trächtliche Anzahl großer Männer be-sessen, Bildhauer, Stein - und Stem-pelschneider und Mahler, daß keineandre Stadt ihr in diesem Stük denVorzug streitig machen kann.

Man muß die ganz alte florcnti-nische Schule von der neuen unter-scheiden. Schon im dreyzchntenJahrhundert haben die Künste in die-ser Stadt geblüht. Der Rath ließverschiedene Künstler aus Griechen-land