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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
216
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angenehmen als unangenehmen Vor-stellungen lenkt; und der verdrießli-chen, die geneigt ist, alles von derwidrigen Seite zu betrachten.

Es ist eine der wichtigsten, obgleichüberall in die Augen fallenden Beob-achtungen, daß die Urtheile der Men-schen und die Eindrüke, welche dieSachen auf sie machen, also ihr Thunund Leiden, vornehmlich durch dieFassung bestimmt werden. So wiederselbe Mcirsch von dem Geschmakder Speisen ganz anders urtheilct,wenn er hungrig, als wenn er sattist. so beurtheilet und empfindet maninsgemein jede Sache nach Beschaf-fenheit der Fassung, darin man ist.Dieses hat nicht nur bcy den gemei-nen Seelen statt, die nie nach wolüberlegten Begriffen, sondern blosnach Eindrüken handeln; auch derverstandige Mensch, der, welcherdie Stimme der Vernunft laut undvernehmlich höret, läßt sich oftdurch die Fassung hinreißen.

Wir wollen diese merkwürdige psy-chologische Erscheinung hier nur inRüksichr auf ihre Wichtigkeit in An-sehung der schonen Künste betrach-ten Bey Verfertigung der Werkeder Kunst ist die Fassung derer, aufderen Gemüthcr man wurken will,von großem Gewicht.

Wer mit irgend einiger Aufmerk-samkeit auf sich selbst Arbeiten, dieNachdenken erfodern, gethan hat, derweiß, wie sehr die Gcmüthsfassung,in welcher man arbeitet, alles er-leichtert oder schwer macht. Sich indie zur Arbeit erfoderliche Fassung zusetzen, ist bcy jedem Geschafft dererste und wichtigste Punkt; und dieLeichtigkeit, dieses zu thun, ist keingeringer Theil des Genies, und das,was Ingenium vsrlarilo gcnenntwird. Man erleichtert sich die Fas-sung, wenn man die Aufmerksamkeitvon allen andern Dingen, als demvorhabenden Geschafft abzieht, unddasselbe eine Zeitlang, che mau an

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die Ausführung geht, wenn es auchnur ganz summarisch, oder aus ei-nem allgemeinen Gesichtspunkt ge-schieht, beständig vor Augen hat;welches um so viel leichter geschieht,wenn man erst irgend eine interessan-te Seite desselben cntdckt hat. Einhoher Grad der vorthcilhaften Fas-sung ist die Begeisterung, von derenEinfluß an seinem Orte gesprochenworden 6). Wenn der Künstler hier-in nicht glüklich gewesen, so wirdsein Werk nie vollkommen seyn-

Eben so wichtig ist die Fassung de-rer , aufweiche die Gegenstande derKunst würken sollen. Wer sich ineiner vergnügten Laune befindet, denkann man leicht zum Lachen bringen;alles, was man vor ihm sagt, hatdoppelte Kraft. Demnach muß injedem Werk der Kunst etwas liegen,was diese Fassung hervorzubringenvermag. In der Musik sucht mandieses durch Vorspielen, oder pra-lusiren zu erhalten, in der Rededurch den Einganz, in einigen Ge-dichten durch die Ankündigung, inallen Arten der Gedichte und der Re-den , so wie auch in allen Gemähl-den, durch den Ton des Vortrages.Gcmähldc von sehr ernsthaftem In-halt müssen schon von weitem, cheman noch etwas darin unterscheidenkann, das Auge durch einen ernstenTon rühren, so wie ein Gewittervon weitem durch eine dunkele, dro-hende Luft angekündiget wird.

Der Redner kann bcym mündli-chen Vortrag die Fassung seiner Zu-hörer am sichersten dadurch bcwür-ken, daß er selbst in dem Ton derStimme, in der Stellung, in denGcbehrden und Bewegungen die Fas-sungen vollkommen ausdrükt. Esliegt eine sehr sympathetische Kraftin dem lebhaften Ausdruk einer na-türlichen Fassung. Wir können uns,wenn wir einen von Herzen vergnüg-ten,

5) S. Begeisterung.