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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
217
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F a f

tm, oder durchaus bekümmertenKenscheu sehen, selten enthalten,wenigstens einigermaßen uns in die-selbe Fassung zu setzen. Die großeKraft, die eine solche Fassung dessen,der redet, seinen Worten giebt, kannkeinem Menschen unbemerkt geblie-ben seyn. Wer einen schrekhaftenVorfall gleichgültig, oder gar ver-gnügt erzählt, lauft Gefahr, daßihm niemand glaubt; der aber inschrckhaftcr Fassung eine Lüge her-vorbringt, findet leicht Glauben.Der Grund dieser Sympathie istleicht zu entdeken. Der Mensch hateinen natürlichen Hang sich jede Sa-che, die seine Aufmerksamkeit an sichgezogen, so klar als möglich ist, vor-zustellen *). Wenn wir also einenMenschen von irgend einer Empfin-dung gerührt sehen, so wollen wirauch einen klaren Begriff von sei-nem Zustand haben; (wenn nur sonstnichts da ist, das die Aufmerksam-keit davon ablenkt;) diesen aber er-halten wir nicht besser, als wennwir dieselbe Empfindung haben, dieer hat. Daher entsteht also eineBestrebung der Seele sich in die-selbe zu setzen. Nur muß die Fas-sung, darin wir andre sehen, nichtsUnnatürliches oder Widersinnigeshaben; denn dieses wird uns an-stößig, und verhindert jede Bestre-bung, davon gesprochen worden ist,ganzlich. Wenn wir einen Lustig-wacher bcy ernsthaften Dingen ineiner lustigen Laune sehen, so sindwir sehr entfernt, in seine Fassungzu treten.

Es ist demnach eines der wich-tigsten Talente des Redners, daßbcy dem mündlichen Vortrag alles,was man an ihm sieht und vonihm höret, eine dem Inhalte seinerRede natürliche Fassung ausdrüke:dadurch rührt und überredet ermehr, als durch das was er sagt.Wie er aber dazu kommen soll, kann

*) S. Klarheit.

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ihm nicht durch Regeln gezeigetwerden. Man empfehle ihm über-haupt , wenn er Gelegenheit hat,große Redner zu hören, auf die Fas-sung , in die sie sich setzen können,und auf die große Kraft derselbenvorzüglich Acht zu haben, undauch im gemeinen Leben, auf denTon der Stimme, auf Stellung undGebchrdcn der Redenden genau zumerken. Dieses Studium muß derRedner, als seine Epperimcntalphi-losophic mit großem Fleiß treiben.Er wird oft bcy den ungclehrtesienMenschen in besonder«: Fallen eineKraft zu überreden finden, dieihm wichtige Lehren geben wird,und wird das Studium seiner Kunstin dem Umgang mit eben so vielVorthcil treiben, als in ft'nem Ca-ll inet.

Fehler.

(Schöne Künste.)

Fehlen heißt eigentlich etwas thun,das von dem Zwek, den man sich vor-gesetzt hat, abführet; daher ist in denWerken der schönen Künste dasjenigeein Fehler, was nicht auf den Zwekdes Werks hinleitet. In jedemWerke der Kunst liegen Absichten vonzweyerlcyArt: der Stoffdes Werks,was «vir anderswo den Geist dessel-ben gcnennt haben, zielt auf Crwe-kung gewisser Vorstellungen oder Ein«pfindungen ab; in der Form aberoder dein Körper hat jedes wiederseinen eigenen Zwek *), der jenem un-tergeordnet ist. Man sieht diesesam deutlichsten an den Werken derBaukunst, wo die eine Absicht aufBequemlichkeit, die andre aufSchön-heit geht. Das Gebäude, oder ir-gend ein einzcler Theil desselben istfehlerhaft, in so fern ein oder meh-rere Theilc zu dein Gebrauch, wozusie vorhanden, nicht tüchtig genugO 5 sind;

5) Man sehe den Artikel Einsörmigkeit.