Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
215
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F a r

Die eigcnthümlicken Redensartenwerden fast überall vermieden, alswenn sie ganz unbrauchbar waren.

Diese Ucppigkcit hat eine ArmuthwichtigererVorstellungen zumGrund;das Herz bleibt dabcy kalt, und dieEinbildungskraft wird so überhäuft,daß sie ermüdet. Solcher Ucbcrflußschadet, wie die Verschwendung derZierrathen am Kopfputz und derKleidung, durch welche das Augeuicht hindurch dringen kann, um dasSchone im Gesicht und der ganzenGestalt zu sehen. Selbst in lyri-schen Stükcn, die doch den poeti-schen Farben ihren eigentlichen Ortleihen, schiket sich diese Ueppigkcit sowenig, als im Trauerspiel und indem heroischen Gedicht.

Der Dichter sollte bedenken, daßaller dieser Schmuk höhern und wich-tigern Eindrükcn nothwendig mußuntergeordnet seyn. Wozu dienetedenn endlich die wolausgcziertesteAußenseite eines Gebäudes, wennhinter derselben keincZimmer waren?Jeder Dichter sollte bedenken, daßein mit aller Einfalt vorgetragener,wichtiger, das Herz oder den Ver-stand interessircnder Gedanke einegrößere Würkung thut, als alle Bil-der der Phantasie.

Der rechte Gebrauch der poetischenFarben giebt uns von den Einsich-ten und dcm Gcschmak eines Dichtersund Redners den zuverlässigsten Be-griff. Ein glänzendes Colorit, ohneStärke der Zeichnung, ohne natür-liche Schilderung solcher Gegenstän-de, die über die Einbildungskrafthineinbringen, und wichtige Empfin-dungen zurüklasscn, vcrräth einenan Kleinigkeiten Hangenden Ge-schmak. Der gänzliche Mangel poe-tischer Farben ist noch eher zu ertra-gen, als ihr Uebcrfluß. Die größ-ten Dichter, Homer und die tragi-schen Verfasser der Griechen, habendarin einen großen Geschmak gezei-get, daß sie die hcllcsten Farben auf

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die Stelle gesetzt, die zwar des Zu-sammenhangs halber unumgänglichnothwendig gewesen, aber einen ge-ringen Eindruk ohne diese Erhöhungwürden gemacht haben. Wo mandem Verstand und dem Herzen Ru-hestcllen setzt, da kann die Einbil-dungskraft gerührt werden.

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Wenn man, was H. Sulzer hier vonden Farben sagt, mit dem vergleicht,was er, in dem Art. Gedickt, über ebendiese Materie vortrügt: so scheint er ineinem Widerspruche mit sich selbst zu stc«hcn, welches hier der Mühe überhebt,den vorhergehenden Artikel ZU prüfen.Man sehe übrigens das VI Kap. dcS itenArt. im zten Abschnitt des RamlerschcnBattcux I. S. 201. Ausgabe von 1774.vcrgl. mit dcr N. Bibl. der sch.Wisscnsch.B.s. S. -8-u. f. — Oaö von Hrn.S.angeführte Werk des Dubos ist bekannt,und, in Rücksicht auf diese Materie,sehr gut. Auch gehören, In gewisser Art,Noch hichcr: De tZrnseu Oesr. gcrma»nicse» Dill. ?rick. LorrlietkLor»rer, )cn. 1711.4.— ve grar» negli-gentia Orar» l?rogr. I. birnclli,Ichpt. 174z. 4. — l)e vrnsru 0r,t.ss>ec. romsnse» Dill. Lrd. b,u<l. bleu»ne, len. 1747. 4. —^ De ornscuOrsr. Dill. L, I. lloll, l.ipt. I/49- 4»S. übrigens die Art. Kild, Figur,Tropen u. d. m.

Fassung.

(Schöne Künste.)

Jeder besondere Zustand deS Gc-müthes, der den Vorstellungen undHandlungen einen besonder» Tongiebt. Wenn Haller sagt:

Ein lyohlgcsctzt Gcmüth kann Galle süßemachen.

Da ein verwöhnter Sinn auf alles Wcrsmuth streut;

so zeiget er diese Würkung zweyereinander entgegengesetzter Fassungenan, der ruhigen, die sich mehr zuO 4 ange-