Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
208
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Far

Der angehende Mahler, der dasGlük hat, seine Kunst von einem gu-ten und aufrichtigen Meister zu ler-nen, kommt ohne große Mühe zurKcnntniß der körperlichen Eigen-schaften der Farben. Aber mancherLehrer ist zurükhaltend, auch wolneidisch, und manch fürtrcfiichcs Ge-nie fallt einem schlechten Lehrmeisterin die Hände; und in diesem Fallmuß seine eigene Beobachtung seinLehrer seyn. Es ist überhaupt gut,daß der Wähler seine ältesten Arbei-ten sehr oft wieber ansehe, um diedarinn allmählig sich äußernden Ver-änderungen der Farben zu beobach-ten. Er kann sich auch dadurch et-was helfen, daß er Probegemahldemacht, und sie an die Sonne, undan die offene Luft setzet, um dasVeränderliche der Farben kennen zulernen. Großen Vortheil wird ihm,wcnncrnurdieGelegenhcit dazu hat,eine fleißige Beobachtung der Werkeder besten alten Meister geben, derenArbeiten schon ein, oder ein PaarJahrhunderte hinter sich haben. Vor-züglich können blos angelegte Ge-mählde alter Meister hierin lehrreichseyn, weil man mit ziemlicher Ge-wißheit die eigentlichen Farben, diesie gebraucht haben, noch erkennenkann. Auf diese Weise kann derMahler zur Kenntniß des Festen undDauerhaften der Farben kommen.

Ihren Werth in Absicht auf dieBearbeitung selbst, das mehr oderweniger Körperliche in ihnen, dieEigenschaft, durch ihre Einmischungin andre, diesen aufzuhelfen odersie zu verderben, ihre Stärke durchandre Farben durchzudringen, odernur als schwache, durchsichtige De-ken andrer Farben nützlich zu seyn,wird der Künstler nie anders, alsdurch genaues Nachdenken und Be-obachten, währender Arbeit selbst,kenne» lernen. Der scharfsinnigsteund nachdenkendste Kopf kommt hier-in natürlicher Weis« am weitesten.

F a r

Der -Wähler muß das Genie einesNaturforschers haben, um jede kör-pcrlicheVeränderuug wahrzunehmen,und mit Scharfsinnigkeir ihre Ursa-che zu entdcken. Ohne dieses Genieist es nicht wol möglich, ein guterColorist zu werden.

In Ansehung derBestandthcilc sinddie Farben entweder Erdfarben, oderGattungen gefärbter, von der Na-tur erzeugter Erden, wie der Ocher,die grüne, braune, rothe Erden:und diese sind gemeiniglich, wiewolmit Unterschied, die beständigsten,und die auch am meisten Körper ha-ben; oder chemische Farben, diedurch die Chymie aus metallischenMaterien verfertiget worden. Die-sen ist nicht allemal zu trauen, weilsie nicht nur oft selbst etwas schar-fes, beißendes an sich haben, wo-durch sie andern Farben, mir denensie vermischt werden, schädlich sind,sondern auch selbst von den in derLuft befindlichen mineralischen Aus-dünstungen angegriffen werden; wie-wol es auch sehr schöne und höchstdauerhafte Farben dieser Art giebt.Endlich hat man auch Farben, diedurch Zubereitung aus den animali-schen und vegetabilischen Körpernverfertigt werden. Allein eine um-ständliche Beschreibung dieser Gegen-stände gehöret nicht hieher. Werausführlichere Nachrichten über dieFarben sucht, der wird sieunteran-dcrn inZvom Pcrnctys amRand an-gezeigten Werke finden H.

Weit wesentlicher zur Kunst dienetdie Betrachtung der Farben, in sofern man, sie als gefärbtes Licht an-sieht, womit man jedem gezeichnetenGegenstand das Ansehen eines in der

Natur

viÄionsii-e portsrik 6- psmrure ecc.vor welchem Buch eine Abbandlun«von dem .Praktischen der Kunst ist,darin die verschiedenen Farben be-schrieben werden, die in dem Werkselbst, jede unter ihrem Namen, noch»mais vorkommen.