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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
204
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um die jungen Künstler, die diesesetwa lesen möchten, zu genauem Nach-denken über diesen Thcil der Kunst zuvermögen.

In Ansehung der Form sind drcyDinge sorgfaltig zu vermeiden:>) Falten, die verworren durch ein-ander laufen, und durch ihre Höhenund Tiefen unangenehme Figurenmit ganz spitzigen Winkeln verursa-chen. Das Auge liebet überall dieRundungen, über deren Umrisse essanft hinglitfchcn kann; hingegen istihm das Ekige und besonders dasSpitzige, wo es den Sachen nichtschlechterdings wesentlich ist, höchstunangenehm. Die Falten müssensanfte und allmähligc Erhöhungenund Vertiefungen machen, wie dieHügel und Thälcr in einer Landschaft,nicht Eken und Höhlen, wie ein Hau-fen großer über einander geworfenerKlumpen von Felsen. 2) Vermeideder Zeichner unnatürliche Falten; erhüte sich Vertiefungen zu zeichnen,wo das Gewand nothwendig hervor-stehen muß, und umgekehrt. DieLehrer der Mahlcr geben überhauptdieses Punkts halber die Regel, daßdie Falten genau mit der Stellungdes Körpers übereinkommen, so daßman, der Bekleidung ungeachtet, dieLage und Beugungen der bedecktenGliedmaßen mehr merken, als deut-lich sehen könne. Denn so genau an-klebend an den Gliedern müssen dieGewander auch nicht seyn, wie dienasse Leinwand, z) Auch ist das häu-fige allzukleine in den Falten zu ver-meiden; sie müssen, wie die Gruppender Figuren und des Lichts, weniguud grosse Massen ausmachen, so daßjede kleine nicht für sich allein steht,sondern als ein kleiner Theil einerHauptgruppe untergeordnet ist.

In Rüksicht auf die Haltung undHwrmonie der Farben scheinet diesesdie wichtigste Regel zu seyn, dieschon da Vinci gegeben hat *): Fal-Irsirä äs l, p-imur« ek.cLLt .Vllk.

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ten, in deren Tiefe sehr dunkle Schat-ten seyn müßten, sollen nicht an denStellen des Gewandes kommen, aufwelche das stärkste Licht fallt; undim Gegentheil, sollen an den dunkelnStellen keine Falten so hcrausstchen,daß ein starkes Licht auf sie fallenmüßte. Hernach aber muß auch be-sonders in Absicht auf die Theile, aufdie die Hauptmasse des Lichts fällt,alles das beobachtet werden, wasvorher über die Form der Falten an-gemerkt worden, weil es sonst nichtmöglich ist, der Hauptmasse desLichts die wahre Haltimg zu geben.Mahlcr, die sich einbilden, es seyschon genug, daß sie die Falten nichtaus dem Kopf, sondern nach der Na-tur, wie sie etwa an einem beklei-deten Gliedermann liegen, nachma-chen , betrügen sich. Denn schon inder Natur können sie schlecht und demGemahlde verderblich seyn. Ein fei-ner Kenner sagt, er habe in der fran-zösischen Acadcmic in Rom den Di-rektor und zwölf Academisten bcy-sammen gesehen, welche ihr leben-diges Model zu bekleiden und die Fal-ten in gehörige Ordnung zu legen,einen ganzen Nachmittag zugebrachthaben, che ihrem Gcschmak Genügegeschehen *).

Dieser Theil der Kunst erfodcrt ei-nen großen Geschmak, so gut als ir.gcnd ein anderer. Darum übertrifftRaphael auch hierin alle Mahler,so wie er sie in Zeichnung undAusdruk übertrifft. Diesen, großenMann müssen angehende Künstlerzum Muster nehmen. Uebrigensverdienet vorzüglich über diese Sa-che da Vinci, und der eben ange-zogene Kenner, nachgelesen zu wer-den *).

Aus,

*) S. Körcmons Natur und Kunst inGemckhldcn 1 Thcil 18 Kap.

55) Tl'gike äs l» psinrucs cksp. i;8-164. und das ganze rz. Kapitel HeyKörcmon.