Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
203
Einzelbild herunterladen
 

F a l

Wenn man also die kleine Quintein einem Accord findet, wo sowol sieals der Baß einen andern Gang neh-men, so ist dieses nicht die falscheQuinte, sondern die kleine und con-sonirende Quinte des vermindertenDrepklangcs, wie hier:

-U

—.5^ —

Die Quinte ist um hoher, als diefalsche Quinre, und ihr wahres Vcr-halmiß ist 5:7 *).

Falsches Licht.

(Mahlcrey.)

^Dieser Ausdruk wird gebraucht,wenn ein Gcmahlde so gesetzt wird,daß das darauf fallende Tageslichtdem zuwider ist, welches der Wäh-ler in dem Gcmahlde angenommenhat; wenn das Licht von der rech-ten Seite auf das Gcmahlde fallt,in dem Gcmahlde selbst aber, alsvon der linken Seite einfallend, vor-gestellt wird.

Das falsche Licht kann dem Ge-mählde viel Schaden thun, weil esdie dunkeln Stellen Heller, und diehellen dunkler machen, folglich dieHaltung und Harmonie vermindernkann. Die beste Stellung für einGemahldc ist die, nach welcher alleThcilc desselben ein gleich starkes Lichtbekommen, weil auf diese Weise dasHelle und Dunkele in dem Verhält-nis; bleibet, das der Mahler ihm ge-geben hat. Also müßte in Vilder-gallericn entweder das Licht geradevon dornen auf die Gcmahlde fallen;oder noch besser, da dieses in gewis-sen Stellen blendet, von oben, sodaß es sich an allen Seiten des Zim-mers gleich stark ausbreitet, so wiein dem runden Salon der Gallerte inSans - Souci.

*) S. Verminderte? Drcyklang,

F a l sog

Falten.

(Zeichnende Künste.)So zufallig die Kleider selbst, und dieFalten derselben, besonders für denMenschen sind, so wesentlich sind dieFalten der Gewänder in den Gcmähl-den, zur Annehmlichkeit, Schönheitund zur Harmonie des Ganzen. DieKunst, die Gewänder, womit Perso-nen , oder Zimmer und Geräthc be-kleidet werden, in gute Falten zu le-gen, ist würklich ein wichtiger, zu-gleich aber schwerer Thcil der zeich-«enden Künste, vornehmlich aber derMahlercy. Diese Kunst hat unge-mein viel schlaue Veranstaltungennothig, um das Auge zu täuschen,und ihm zu schmeicheln; so daß so-wol in der Zeichnung der Formen,als in derFarbengebung, und beson-ders in dcm Theil, der das Helle undDunkle, und die Wiedersehen«' be-trifft, fast nichts für unwichtig zuhalten ist. Jedermann fühlet, daßin einem Gewand die Falten so wi-dersinnig, so seltsam und verwor-ren seyn können, daß das Auge da-durch verwirrt und von wichtigenGegenständen abgezogen wird. Da-zu kann denn noch eine eben so selt-same Verwirrung des Hellen undDunkeln und der Farben kommen,indem das Hervorstehende in den Fal-ten hell, das Eingebogene dunkelwird; jeder Thcil des Gewandesaber, nachdem er mehr oder wenigeraus- oder eingebogen ist, eine andreFarbe bekommt.

Hieraus läßt sich begreifen, wiedurch ungeschikte Falten alle Ruheund Befriedigung des Auges kannzernichtet, wie dadurch die Haltungund Harmonie des Gemähldes kannzerstört werden, und wie dieser üblenFolgen halber, ein so unbeträchtlichscheinender Thcil der Kunst ganz wich-tig wird. Wir wollen das Wesent-lichste, worauf der Zeichner undMahler zu sehen haben, anführen,

UM