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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
169
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Fab

ber angemerkt hat *). Die klügstenKöpfe eines noch etwas rohen Vol-kes, die über sittliche und politischeAngelegenheiten scharfer als andrenachdenken, stillen natürlicher Weise,wenn sie ihre Bemerkungen mitthci-len wollen, auf die Fabel- Wo manetwa unter Menschen vom niedrigstenNanz, die selten allgemeine Satzeohne Bilder ausbrüten können, eiltenvorzüglich verständigen Mann an-trifft, da wird man allemal finden,daß crVeysviclc, Allegorie und halb-reife Fabeln braucht, wenn er etwasallgemeines, das seine Beobachtungihm angegeben, auszudrüken hat.

Also ist die Fabel nicht die Erfin-dung irgend eines besondern Volksoder eines bcsondcrn Wcltalters.Man hat, um ihren Ursprung auf-zusuchen, nicht nöthig, wie biswei-len geschieht» nach Indien oder nachPersien zu gehen; sie ist in allen Lan-dern einheimisch, obgleich die Gabe,vollkommene Fabeln zu machen, eineseltene Gabe ist, und einen seltenen,scharfen Verstand crfodcrt. Dervollkommenste Fabeldichter, den mankennt, ist ohne Zweifel der phrygi-sche Philosoph Aesopus, von deinwir in einem besondern Artikel ge-sprochen haben. Die so crfindungs.reichen Griechen haben sich meisten-theils begnügt, die Fabeln diesesMannes in gebundener und ungebun-dener Rede zu erzählen **), und habensich selten getraut neue zu erfinden.So haben es auch die Römer ge-macht, deren vornehmster Fabeldich-ter, Phadrus, wenig eigene Fabeln er.sundcn hat.

Die spätem Völker scheinen mehrMuth gehabt zu haben, sich in dieseLaufbahn zu wagen. Die Mengeder deutschen Fabeln, die in dem Zeit-raum, da die alten schwabischenDich-tcr geblüht haben, gedichtet worden,

*) Warb. Göttliche Sendung Assis imersten Thcile.

**) S. Aesopus.

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geben einen Beweis davon *). Inunfern Zeiten haben mehrere deutscheDichter sich vorzüglich in dieser Arthervorgcthan. Unter diesen verdientHagedorn, nicht blos darum, weiler in dem schönsten Zeitalter der deut-schen Dichtkunst, der Zeit nach dererste gewesen, die oberste Stelle; aberGellere hat den Ruhm der deutschenFabel auch in fremde Länder ausge-breitet. Ein scharfsinniger Kopf hateine neue und in gewissen Absichtensehr glüklich ausgedachte Gattungder Fabel erfunden. Er hat dasVerhältniß des Bildes und Gcgen-bildes ganz umgekehrt; er fetzt dieThicre an die Stelle der Menschen,und diese vertreten bcy ihm die Stelleder Thiere, von deren Handlungender Stoff zur Fabel genommen wird.Ein Beyspiel davon findet man inden kritischen Briefen, die 1746 inZürich herausgekommen sind, aufder 185 Seite. Ucberhaupt wirdman auch in dem neunten, zehntenund cilften Brief dieser Sammlungverschiedene sehr gründliche Anmer-kungen über die äsopische Fabel an-treffen. Die bekannten Werke unsrcrKunstrichter, darinn von der Naturund Beschaffenheit der Fabel aus-führlich gehandelt wird, hier anzu-zeigen würde überfiüßig seyn.

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Daß, bcv den Alten, die AtopischeFabel nicht zu dem Gebiete der Poesie,sondern der Rhetorik gerechnet worden,hat G. E. Lessing in s. Abhandlung, vondem Vortrage der Fabeln, S. --2. AuSg.von 1777 bereits bemerkt; allein, daßerst daraus, daß die Ncuern sie blvS alsGedicht ansehen, auch die geschweigeneuere Art sie zu erzrlhlen, und die Zier-rate in dem Vortrage derselben cntspruru

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*) Man sehe die Fabeln aus den Zeitenher Minnesinger, die Tvdmer heraus«gegeben, und die Vorrede zu GcllertSFabeln.