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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
168
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nommen werden, oder wenn dieHandlung selbst ein wenig bekanntesInteresse hat, so macht die ganze Sa-che weniger Einvruk, und kann nichtso leicht ins Gedächtnis znrükgc-bracht werden. Am besten ist es,wenn der Stoff zum Bilde von Ge-genständen hergenommen wird, diewir taglich vor Augen haben.

Man kann nicht verlangen, daßauch die kleinsten Umstände in derErzählung bedeutend seycn; aber jemehr sie es sind, je vollkommener istdie Fabel. Dieses aber ist nothwen-dig, daß die handelnden Wesen einenbestimmten» und uns schon bekanntenCharakter haben, wie der Fuchs,der durch seine List, die Gans, diedurch ihre Dummheit bekannt sind;denn dadurch bekommt die ErzählungWahrheit, und kann auch viel kür-zer werden, weil wir zu dem, wasder Dichter erzählt, noch verschiede-nes, das zur Handlung gehört undbedeutend ist, hinzudenken können,

Es ist in dem Artikel über die Aehn-ljchkeit angemerkt worden, daß sieum so viel mehr Vergnügen mache,je entfernter das Bild und Gegenbildvon einander sind; daraus läßt sichabnehmen, daß die Fabeln, darinndie handelnden Wesen Menschen sind,weniger Reiz haben, als die thicri-schen. Daß man aber selten lebloseDinge, dje noch entfernter sind, stattder Thiere zur Handlung brauchenkann, kommt daher, weil jn diesemFalle die Aehnlichkeitselten genauge-nug ist. Dieses sey von der Erfin-dung der Fabel gesagt.

Der Vortrag und Ansdruk dersel-ben kann auch sehr viel zu ihrer Voll-kommenheit beytragen. Hiebe» istnichts so wichtig, als Einfalt, Kürzeund Naivität. Der Ton der Erzäh-lung muß seine Stimmung von demCharakter der Moral bekommen.Diese kann einen ganz ernsthaften,oder eine»; ganz lustigen, einen gemei-

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neu und so zu sagen häuslichen undalltäglichen, oder einen hohen undfcycrlichen Charakter haben; alsomuß in jedem Fall der Ton der Er-zählung denselben annehmen. Man-che Fabel wird dadurch gut, daß siein einem kalten Ton erzählt wird; an-dern steht der lustige, etwas schna-kischc, andern so gar der erhabene,enthusiastische Ton am besten. Aberüberall muß man die höchste Klarheitund Einfalt zu erreichen suchen, da-mit der Leser ohne Mühe und ohneZerstreuung der Aufmerksamkeit wah-render Erzählung nichts, als dasBild vor Augen habe, und daß ihmder erzählendeDichter dabcy nie vorsGesicht komme. Wenn man alleSchwierigkeiten, die sich bei) demVortrag der Fabel ereignen, bedenkt,so kann man mit Wahrheit davonsagen: parvum opus, st nou ts-nuis Floris. Es scheinet eine Klei-nigkeit zu seyn, eine so kleine Hand-lung zu erzählen; aber der größteVerstand und der feineste, sichersteGeschmak können dabcy nicht ver-mißt werden, wenn der Vortrag voll-kommen seyn soll.

Die alten Kunstrichtcr haben vielvon den Gattungen der Fabeln ge-schrieben, das uns hier nicht wichtiggenug scheinet; man kann hierüberLessings zweytc Abhandlung hinterseinen Fabeln nachlesen. Es ist kaumcineDichkungsart, darin mehrMan-nigfaltigkeit, sowol in Ansehung deswesentlichen Theiles, als der Form,anzutreffen wäre.

Die Fabel ist eine der ältesten,oder ersten Früchte des rednerischenGenies. Die Allegorie, aus der sievernmthlich entstanden ist, war einaus Roth erfundener Kunstgriff, sichverständlich auszndrüken, da dieSprachen noch nicht reich genug wa-ren, die Gedanken durch willkühr-liche Zeichen an den Tag zu legen.Man sehe, was N?arburron hierü-

der