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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
167
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Eigenschaften hat. i) Wenn dieVorstellung, die sie erwekt, der Geistder Fabel, der insgemein die Moralderselben gcnennt wird, völlig be-stimmt, sehr klar, und denen, fürwelche die Fabel erfunden worden,wichtig ist. Was ganz bestimmteund klare Begriffe oder Satze feyen,darf hier nicht erklärt werden; ihreWichtigkeit aber ist ans dem Einflußzu beurtheilen, den sie auf die Hand-lungen der Menschen haben können.Es giebt Fabeln, deren Moral blosbelustigend ist, indem sie gewisse Cha-raktere oder Handlungen, die lacher-lich sind, in einem recht römischenLichte zeigen; andre enthalten Wahr-heiten, die blos auf das Wolanstan-dige und Schiklichc in der Lebensartabzielen; einige sind nur in Bezie-hung auf das Privatinteresse dcrMen-scheu wichtig; andre sind wichtigepolitische Maximen; einige habenEinfluß auf die äußere Wolfahrt derMenschen; andre zielen auf innereVollkommenheit und eine Erhöhungdes Geistes und des Herzens ab.Also kann die Fabel in Ansehung ih-res Werths auf jeder Stufe der Wer-ke des Gcschmaks stehen; von demuntersten Grad der blos belustigen-den bis auf den höchsten Staffel der,dem ganzen menschlichen Geschlechtwichtigen Werke. Die Vollkommen-heit der Erfindung muß aus der Gat-tung, wozu sie gehört, und aus derAbsicht des Dichters beurthcilt wer-den. Ein Fabeldichter hat biswei-len keine höheren Absichten, als derwitzige Epigranunatist: da ein an-drer sich auf den höchsten Rang desepischen oder lyrischen Dichters zuerheben sucht. Die Erfindung oderFestsetzung der Moral der Fabel cr-foderr bisweilen blos einen witzigenKopf, andremale einen gemeinen,aber richtig urthcilcnden Moralisten:sie kann aber auch einen sehr tief undgroß denkenden Philosophen oderStaatsmann erfodern.

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2) Zu einer vollkommenen Erfin-dung der Fabel geHort hiernachst dievollige Aehnlichkeit zwischen dem Bildund dem Gegenbild, das ist, dieHandlung, welche erzählt wird, mußbis darin» liegende Moral auf dasvollkommenste und bestimmteste zuerkennen cheben. Von der'volligenAehnlichkeit des Bildes und Gegen-bildes ist anderswo hinlänglich ge-sprochen worden H; und aus dem,was dort hierüber gesagt worden ist,laßt sich auch erkennen, daß die Er-findung der Fabel das Werk einesglüklichcn Genies scy; daher mansich nicht wundern darf, daß voll-kommene Fabeln etwas selten vor-kommen. Bisweilen aber ist esauch, bey der vollkommensten Aehn-lichkeit zwischen dem Bild und Ge-gcnbild, dennoch nöthig, daß dieMoral wenigstens durch einen Winkangezeiget werde, weil es sonst nichtwol möglich ist, sie bestimmt genugzu errathen; zumal wenn das Ge-genbild selbst nur ein besonderer Fallist, aus welchem denn erst durch ei-nen zweyten Schritt das Allgemeinemuß heraus gezogen werden. Sobekömmt die Fabel des Aesopus vonden Fröschen und den Stieren da-durch ihre genaueste Bestimmung,daß uns gesagt wird, der philoso,phische Dichter habe sie bey Gelegen-heit dcrVerheyrathung eines reiche»,aber bösen und gewaltthätigen, Man-nes erzählt; da hingegen die Fabelvon den Fröschen, die einen Königbegehren, dergleichen Wink nicht no-thig hat.

Es dienet auch noch zur Vollkom-menheit der Erfindung, daß dasBild von gemeinen völlig bekanntenSachen hergenommen sey, weil esalsdenn mit desto größerer Klarheitin die Augen fällt, und auch destoleichter im Gedächtnis; bleibet. Wennunbekannte Thicrc zur Handlung gc-L 4 nom-

") in den Artikeln Allegorie und Bild.