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der Fabel zu merken- z) Das Bildist eine Erzählung, und dadurch un-terscheidet sich die Fabel von andernBildern. Das, was der sinnlichenVorstellung vorgelegt wird, ist eineSache, die als würklich geschehen er-zahlt wird; nicht eine blos möglicheSache, die geschehen konnte, wieviele Beyspiele; nicht eine vorhande-ne Sache, die beschrieben wird, wieviele Gleichnisse.
Wir wollen uns mit diesen dreyKennzeichen der Fabel begnügen; daes ohnedem ein vergebliches Bemü-hen ist, wenn man durch allzu engeBestimmung der Begriffe von Wer-ken der Kunst, dein Genie Schran-ken zn setzen sucht.
Daß die Fabel nicht nothwcndigeinen allgemeinen Satz, oder eineLehre enthalten müsse, sondern, ohneihre Natur zn verändern, auch blosdie genaue Bestimmung eines Be-griffs, oder die Beschaffenheit einerHandlung ausdrüke, erhellet hinläng-lich aus dem einzigen Beyspiel derFabel, die der Prophet Nathan demDavid erzahlt, welche blos dienensollte, diesem Konig einen sehr ein-leuchtenden Begriff von der schänd-lichen Handlung, die er gegen denUrias begangen hatte, zu geben.Die äsopische Fabel von den Frö-schen und den Stieren diente blos,um die Situation, in welchen sichgeringere Bürger befinden, wenn dieMächtigen sich vermehren, recht leb-haft abzuschildern.
Die Absicht der Fabel ist eben die,die man bey allen Bildern hat: wich-tige Begriffe und Vorstellungen demanschauenden Erkcnntniß sehr leb-haft und mit großer ästhetischer Kraftvorzubilden. Sie ist ein Werk desGenies, das wegen der Aehnlichkcitzwischen sinnlichen Gegenständen undabgezogenen Vorstellungen Vergnü-gen macht 5), das diesen Vorstellun-gen eine Kraft giebt, und das um soS. Ächnlichkcit; Allegorie; Bild.
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viel schatzbarer ist, je wichtiger dieVorstellung ist, die dadurch demGeist nicht blos zum Anschauen vor-gehalten, sondern gleichsam unaus-löschlich eingeprägt wird.
Man weiß, daß Begriffe undGrundsälzc bei) den Mensche» nichtpraktisch werden, als bis sie diesel-ben nicht blos erkenne», sondern füh-len. Man fühlt aber die Wahrheit,wenn sie als eine unmittelbare Wür-kung sinnlicher Eindrücke, nicht alsaußer uns erkannt wird, sonderndem Gcmüthc gegenwärtig ist. Soließ man in Sparta die Jugend füh-len, daß die Trunkenheit den Men-schen erniedriget, indem man ihrbetrunkene Eclaven vor das Gesichtbrachte. Auf eine ähnliche Weiseläßt die Fabel die Wahrheit empfin-den.
Aber die Fabel erwekk das Gefühlder Wahrheit weit lebhafter, als daSBeyspiel. Die Aehnlichkcit zwischendem Bild und dem Gcgcnbild ist beyihr entfernter, reizt also die Aufmerk-samkeit stärker *), und begleitet denEindruk mit Vergnügen.
Die Aesopische Fabel ist demnachein Werk, wodurch der Zwck derKunst aufdie unmittelbarste und kräf-tigste Weise erreicht wird- Sic istkeincswcges, wie sie bisweilen vor-gestellt wird, eine Erfindung Kin-dern die Wahrheit einzuprägen, son-dern eine auch dem stärksten männ-lichen Geist angemessene Nahrung.Acsopus war ein Mann, und suchteMänner durch seine Fabeln zu beleh-ren. Sie beschäftiget sich nicht blosmit gemeinen Wahrheiten, sondernauch mit solchen, die nur durch vor-zügliche Stärke des Verstandes ent-dckt werden.
Sie scheinet in allen Absichten dasvornehmste Mittel, sowol schon be-kannte und leichte, als neue und schwe-re praktische Wahrheiten der Vor-L z stcllungs-
') S. Artikel Aehnlichkcit ITH. S.-o.