Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
163
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F a b

leren zu schildern und ihre Thülen inein Helles Licht zu setzen. Dann magihm eingefallen seyn, daß er aus derGeschichte des trojanischen Krieges,worin alle verwikelt gewesen, denje-nigen Punkt aussuchen müsse, derihm die beste Gelegenheit geben wür-de, jeden in seinem Hellesten Lichtezu zeigen. Dieses sind überhauptdie zwey Wege, wie man in denschonen Künsten auf Erfindungenkommt, wie an seinem Orte gezeigetworden *).

Sehr wichtig ist es für den Dich-ter, durch welchen Weg er auch aufden Sroff der Fabel gekommen ist,daß er seinen Werth genau und reif-lich beurtheile. Wenn die Fabelnichtganzlich erdichtet ist, so sind mehrober weniger wesentliche Dinge dar-in», die er nicht andern darf; dakonnte es sich gerade treffen, daßdieses Wesentliche dem Geist des Ge-dichts im Weg stünde, oder daß esauch .dem, was etwa zur Absicht desDichters nothwendig hinzugedichtetwerden muß, hinderlich wäre, undso konnten sich wichtige Fehler überdas ganze Gedicht verbreiten. ZurBeurtheilung der Fabel aber wirdeine genaue Bestimmung des Geistesoder der Seele, die man diesem Kör-per zu geben gedenkt, erfodert. Dennwenn da etwas ungewisses oder un-, bestimmtes bleibet, so wird die Er-findung dessen, was zur Fabel ge-Hort, ungewiß, und es ist ein blos-ser Zufall, wenn es gerath. Wirwollen nicht mit dem Pater L,e Dosjübehaupten, daß das Ganze der Fa-bel ein bestimmter moralischer Satzseyn müsse; dieses ist eine sehr pe-dantische Einschränkung: doch fö-deral wir, daß der Dichter den Cha-rakter des Stüks wol bestimme, baßer die Fabel von mehrern Seiten be-trachte, bis er einen bestimmten Ein-druk von derselben empfindet, dener auch andern mitzutheilen wünscht.

*) S. Art. Erfindung.

Fab i6z

Dieser EindrnI ist das, was wir denGeist der Fabel nennen. Veyspiele,wie der besondere Gesichtspunkt, auswelchem die Dichter die Fabel anse-hen, das Zufällige in derselben be-stimmt, haben wir an der von dendrey griechischen Traucrspieldichccrnbehandelten Fabel vom Tode der Cly-tenmestra. Aus dem Trauerspiel desAesculus, das den Namen Coe-phoren trägt, sehen wir deuriich,daß den Dichter in dieser Fabel vor-züglich die Vorstellung der Strafegerührt hat, weiche früh oder spätauf große Verbrechen erfolget. Dieganze Fabel ist auf den finster»Ton gestimmt, der dieser Vorstel-lung gemäß ist. Daher kommtdie Erdichtung des schrekhaftcnTraumes der Clytenmestra, desängstlichen Verfohnungsopfers aufdem Grabe des Agamemnons, dasEntsetzliche, was von dem Meu-chelmord dieses Königs erzählt wird,das böse Gewissen des Aegifthus,und endlich, nach vollbrachter Tbatdes Orestes, die angehende Toll-heit dieses unglüklichen Sohnes.Der Dichter ist durchgehends vondem Haupteindrnk geleitet worden.

Sophokles sah die Sache aus ei-nem andern Gesichtspunkte. Ihnrührten hauptsächlich der gottloseCharakter der Clytenmestra, und derfeurige, aber mit Hoheit verbunde-ne Charakter, unter welchem er sichdie Elektra vorgestellt hat. Alleszielt auf die deutliche Bezeichnungund Entwiklung derselben ab. Zudem Ende hat er die Chrysorhemiseingeführt, wodurch er hinlänglicheGelegenheit bekommen, die eineSeite des Charakters der Elektrazu cntwikcln, und die schone Er-dichtung von der ttrna, die demVorgeben nach die Asche des Ore-stes enthielt, wodurch die andreSeite des Charakters der Elektraund zugleich der schändliche Cha-L s ratter