Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
122
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anzusehen sind. Vernunft nndThor-hcit, Tugend und Lasier zeigen siehZwar überall, aber höchst selten indem hellen Lichte und in der Gestalt,worin» sie zur Lehre oder Warnungsich dem Gemüth unvergeßlich undimmer wnrksam einprägen. Somüssen aber die Bepipielc seyn, diez» einer vollkommenen Erzählung denStoff ausmachen. Es wird nämlichhier vorausgesetzt, daß die Erzäh-lung in allen Absichten vollkommenscy, bey welcher jeder Leser von ge-sunder Einsicht mit völliger Empfin-dung jagt: so muß icb Senken somuß ich handeln so muß ich nie-mal handeln, rvenn ich noch etwasauf mich selbst halten soll; und dieErzählung muß unvergeßlich als einMuster dem Geist cingepragtwerdcn.

Dergleichen Erzählungen warendenn allerdings sehr schätzbare Wer-ke, und man könnte den Neuern überdie Erfindung dieser Dichtart Glükwünschen.

Wenn der Inhalt glnklich gefun-den oder gewählt ist, so ist noch dieSchwierigkeit des guten Vortragszu übersteigen, die nicht gering ist.Das Erzählen ist überhaupt eine sehrschwere Sache; aber in Versen zuerzählen, zumal wenn der Inhalteinfach ist und wenig Leidenschaftli-ches hat, ist höchst schwer. Mankann gar zu leicht in das Gedehnte,Langweilige oder Mühsame fallen.Einfalt, Kürze und besonders Naivi-tät sind die Haupteigenschaften dieserGattung. Man findet daher nurselten Dichter, die sich darinn hcrvor-gethan haben. Unter uns haben beyder beträchtlichen Anzahl guter Dich-ter, nur Hagedorn, Gellere undlwielanö sich hierinn einen Namen er-worben. Aber Wielands moralischeErzählungen machen eine besondereGattung aus: si- sind mcistenthcilsvon zärtlichem und leidenschaftlichemIn alt, der das Erjagten wenigerschwer macht.

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Die Araber scheinen einen vorzüg-lichen Geschmak an dieserDichtart zuhaben,, und unter ihren Erzählungenfindet man in der That solche, die zuMustern dienen können. Vielleichthaben die Neuer» diesen Zweig derDichtkunst aus dem Orient nach Eu-ropa verpflanzt. Aber die Erzählun-gen von abentheucrlichen Licbcshän-deln, darnach die französischen Dich-ter ihreLontos gebildet haben, schei-nen aus Italien herzukommen.

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So ganz unbekannt, wie H. Sulzerwill, ist denn doch die Erzählung, imweitesten Sinne dcsWoeieS, den Altenwohl nicht gewesen ; den» die Veewande-lungcn dcö Ovidius lassen sich schwerlichfür etwas anders ansehen. Und sein Aus-spruch ist um desto grundloser, da er dieMährchcn der Araber anführt, und folglichnicht auf eigentlich veesifleirtc Erzählun-gen sich einschränkt.

Von der Theorie der Erzählung über-haupt (die aber zu mannichfaitig scpnkann, als daß diese Theoriccn sie umfaß-te») handeln unter mehrern: puctisno»r-iciva, Autt. Qcorg. /Ziozk. Lzeräs.deli, Miel. 1784. 8. llcstcx. bar ls<üonre, von Oorat, bei) s. Oi-liis ire.rcx, lleuvr. B. 2. S. ??. Ausg. voll1769. Deutsch, bei? der Ucbcrs.von Chr.Furcht. GellertS Abhaudl. von den Fa-beln , beipz. 177;. 8. S. >01. >> Oiic.tur le5 conreü, nouvellss erlkomsns»in den gmulsnces, -Zmlk, 1771.

IZtloi lur le recie, ou cacrerierisitir la moniüre äe rsconrer, p. >är,l'kZbbä Uersräiercle koczur, ?iir.i776,12. (Der Verf. handelt darin nicht bloLvon der eigentlichen Erzählung, sondernauch von dem, waS dahin gerechnet wer-den kann, als von der Fabel, von demepischen Gedicht, und von dem Roman,aber in einem äußerst weitschweifigenSwle.) lieber Handlung, Gesprächund Erzählung, von I. I. Engel inder N. Bibl. der sch. Wissensch. B. 16.S> 177. Auch finden sich »och in I.A.

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