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2 (1792) [E - J]
Entstehung
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der Theile ganz nothwendig machte;denn die an Gegenständen so sehr rei-che Jlias ist im Plan höchst einfach;alles fließt ans einem einzigen Haupt-begriff. Wenn Ponßin die Samm-lung des Manna in der Wüste vor-stellen mußte, so konnte er sich mitwenigen Figuren nicht behclfen.

Damit aber der Künstler die mög-lichste Einfalt in seinem Plan erreiche,nachdem er den Inhalt gewählt hat,so bedenke er wol, daß sein Werk, imGanzen betrachtet, allemal eine ein-zige bestimmte Hauptvorstellung cr-wekcn müsse. Ucbcr diese Hauptvor--stcllung muß er sich auf das bestimm-teste selbst Rechenschaft geben können.Hak er dieses gckhan, so denke er derNatur dieser Vorstellung so langenach, bis er ihr ganzes Wesen cnt-dckcc hat, damit er über alles, wasnothwendig dazu gehört, was ohneEntkräftung oder Verstellung dersel-ben nicht wegbleiben kann, völligesLichtchabe. Alsdenn entferne er al-les, was nicht nothwendig zum We-sen der Sache gehört; er suche die-ses nothwendige auf die beste Weisein seinen Plan zu bringen: so wirdihm die edle Einfalt nicht fehlen.Der Mangel derselben im Plan kommtmcistcutheils daher, daß der Künst-ler entweder seine Materie sich nichtbestimmt genug vorgestellt, und daher unnütze, zufällige oder gar strei-tende Dinge mit eingemischt hat,oder daß er nur überhaupt durch-Anhäufung mancherlei) Gegenständedie Einbildungskraft andrer in eineunbestimmte Bewegung setzen will.Nicht nur alles, was das Haupt-interesse des Inhalts gar nicht un-terstützt, sondern auch das, wasnicht unumgänglich dazu gehört,muß, wenn man die edle Einfalt er-reichen will, als schädlich verworfenwerden.

Auch in der Anordnung kann diesegroße Eigenschaft mehr oder wenigererreicht werden. Die Sachen kön-

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neu sich mit mehr oder weniger Leich-tigkeit und Nothwendigkeit zusammenpassen. Wenn nicht jeder Theil denOrt einnimmt, der dem Wesen derVorstellung der gcmaßcste ist, so lei-det die edle Einfalt darunter.

In den Charakteren, Handlungenund Reden der Personen, die in dasWerk kommen, wird die edle Einfaltauf eine ähnliche Art erreicht. DerMensch ist in seinein Charakter undin seinen Handlungen einfach, derdurchaus nach wenigen Hauptbcgrif-fen handelt, deren Einssuß mau infeinem ganzen Thun und Lassen cnt-dekt.

In der Rede kann die Einfalt so-wol in den Gedanken, als in deinAusdruk statt haben. Man erreichtsie in den Gedanken, wenn manglüklich genug ist den einzigen herr-schenden Begriff*) zn entdeken, ausdem alles, was man zu sagen hat,entsteht, oder auf den alles kann zu-rükgcführt werden. Der Redner,der in der Verthcidigung eines Be-klagten, dem vielerlei) Dinge Schuldgegeben werden, in dessen Charakter,oder in irgend einer zur Klage gehö-rigen Sache, etwas enrdcker, wo-durch alle Punkte der Klage zugleichkönnen widerlegt werden, wird seinerVerthcidigung ohne Mühe die höch-ste Einfalt geben können. Die Ver-thcidigung der Andromache, die aneinem andern Ort**) angeführt wor-den ist, kann hier als ein Bcyspielgebraucht werden; in dein einzigenBegriff von der Person und den Um-ständen dieser Unglüklichen liegt al-les, was zu ihrer Verthcidigungkann gesagt werden. Nichts ist fürden Redner in allen Gattungen derReden wichtiger, als den Hauptbe-griffzu entdeken, auf den alles an-kommt; denn wo matt diesen gefun-

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