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2 (1792) [E - J]
Entstehung
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abgepaßten Lebensart, darinnHvflich-keitcn, willkührlich eingeführte Cere-monicn und weit her gesuchte Gesetzeherrschen, die weder in der Naturunsrer Bedürfnisse, noch in der na-türlichen Zuneigung und Wolgewo-genheit der Menschen gegen einandergegründet sind, und die man nurdurch das Gedachtniß erlernen kann;wer dieses, sageich, mit einer ganzeinfachen Lebensart vergleichet, dajeder Mensch den Eindrükcn der Na-tur folget, seine natürlichen Bedürf-nisse und Gesinnungen auf eine edleWeise an den Tag legt, seine Gewo-genheit, Zuneigung, seine Hülfe oderAbhänglichkeit gegen andre geradezu,aber auf eine edle Art erklaret: derwird sowol die Natur der edlen Ein-falt überhaupt, als ihren unendlichenWerth über das gekünstelte und über-ladene lebhaft empfinden.

Wer bcy einem richtigen und geüb-ten Verstand der Natnr treu geblie-ben ist, der wird sowol in seinemBetragen, als in seinen Reden undWerken, diese edle Einfalt zeigen.Dies ist der allgemeine Charakter derältesten griechischen und römischenSchriftsteller und Künstler, wodurchsie sich vornehmlich von den neuernunterscheiden- Ein gewisser Beweis,daß die edle Einfalt eine Würkungder unverdorbenenNarur sey. Erstzu der Zeit, da in Athen und Rom,durch den Verlust der NatürlichenFrcyheit, unnatürliche Mittel denGroßen und den Regenten zu gefallenNothwendig wurden, kam eine ge-zwungene Art zu denken auf. die sichnach und nach aus der Lebensart indie Werke der Kunst einmischte.

^ In den neuernZciten hat das will-kührliche und gezwungene die Naturso sehr verdrängt, daß die Gesichts-züge, die Leibcsstcllungcn, die Gc-behrden, die Reden, das ganze Be-tragen eines Menschen, nach will-kührlichen oder doch weithergcsuch-ten Regeln der Kunst müssen abgepaßt

Zweprer Theil.

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werden. Aus dieser Ursache ist auchdie edle Einfalt in den Werken derKunst so selten, als das Erhabene.Und weil die mitMühe erlernte Kunstbeiniahe schon zur andern Narur ge-worden ist, so ist so gar bei) vielenMenschen das natürliche Wolgcfallenan der edlen Einfalt erloschen. Manvermißt die Einfalt in den Gebäuden,in den Werken der bildenden Künste,in den Gemahlden, in der Beredsam-keit, Dichtkunst und Musik. Dasweitläuftige, überfiüßige und will-kührliche hat sowol in den Sitten,als in den Werken der Kunst so sehrüberhand genommen., daß man garoft Mühe hat, das wenige natür-liche darum zu erkennen. Wie viel,sowol ganze Gebäude, als einzelneZimmer, sieht man nicht, wo un-nütze oder gar widernatürliche Zicr-rathen die Augen so sehr auf sich zie-hen, daß man vergißt aus das We-sentliche zu sehen! So sucht mancherDichter, durch kleine Zierrathen derHarmonie und witzige Bilder seinLied mit so viel Glanz zu überstreuen,daß man darüber den Hauptinhaltdesselben vergißt, so wie man übereiner üppig reichen Kleidung vergißt,daß ein Mensch darunter siekt. Mankann oft für allem Glanz der Farben,und allem Witz und falscher Lebhaf-tigkeit in den Gesichtszügen und Stel-lungen der Personen, die Geschichteselbst nicht sehen, die das Geniahldevorstellen soll.

In der edlen Einfalt besteht diewahre Vollkommenheit eines jedenWerks der Kunst. Jedes soll etwasvorstellen, das ist, in der Einbil-dungskraft oder dem Herzen der Men-schen einen gewissen bestimmten Ein-druk »lachen. Alles, was diesen Ein-druk nicht befördert, ist der Absichtder Kunst entgegen, was aber ihngar hindert, ist ein Zeichen des Un-sinnes in dem Künstler. Es ist ihmdeßwegen keine Sache ernstlicher an-zupreisen, als die Bestrebung nach

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