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gestärkt werden, und diese Uebnng ge-hört zur Bildung des Künstlers,
Scharfe Sinnen sind der Erfolgeiner glüklichen Organisation: aberdie Welcwcisen lehren uns, daß siedurch Uebnng noch mehr geschärftwerden. Durch sie erlanget der Wäh-ler ein schärferes Gesicht, mißt Ver-haltnisse, sieht feinere Abänderun-gen der Umrisse und Schattirungender Farben, wo ein andrer mit gleichscharfem Auge sie nicht sieht. Wersein Gehör wenig in Bemerkung derfeiner» Modificatio» des Klangesgeübt hat, der empfindet bei) demKlang einer Gloke etwas ganz einför-miges, darinn er nichts unterscheidet,da das geübtere Ohr des Tonkünst-lcrs eine Menge einzclc Töne darinnbemerket *). Darum befahl Ppcha-goras seinen Schülern, ihr Gehörtäglich an dem Monochord zu üben.Ohne die fleißigsten Hebungen derSinnen, für welche der Künstler ar-beitet, wird seine Einbildungskraftda, wo er sie am meisten nöthig hat,mittelmäßig bleiben. Aber der Dich-ter, der allein für alle Sinnen ar-beitet, muß auch alle durch Uebnngverfeinern.
Auch der Hang nach einer allge-meinen Sinnlichkeit, wodurch dieEinbildungskraft unterstützt wird,kann durch Uebnng vermehrt werden.Hier ist nicht von der gröber» Sinn-lichkeit die Rede, von dem blos thie-rischen Hang, undeutliche, von al-lem geistigen Wesen entblößte, nurden Körper reizende Empfindungenzu haben. Je mehr die Seele desKünstlers sich von dieser grobenSinnlichkeit entfernt, je mehr ge-winnt seine Einbildungskraft, weildiese Sinnlichkeit die Seele mitTräg-heit erfüllt, und ein blos leidendesWesen aus ihr macht.- Die feinereSinnlichkeit des Künstlers ist einHang, sich den sinnlichen Eindrükenmit Geschmak und Ueberlcgung so zu
*) S. Harmonie.
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überlassen, daß man jedes reizbaredarinn bemerkt, ohne es ergründenoder es der Prüfung des Verstandesunterwerfen zu wollen. Der Künst-ler überläßt sich der angenehmen Em-pfindung, die der Regenbogen in ihmerwekt, mit Geschmak, indem er je-des einzelne dieser Empfindung be-sonders, aber doch immer auch alleszugleich empfinden will; er fühlt dieSchönheit der Farben, die Hanno-nie derselben, und die liebliche Wöl-bung des Bogens, einzeln und dochalles zugleich: da der weniger sinn-liche Naturforscher bcschäfftiget ist,bei) dieser Empfindung mehr seineuVerstand, als seine untern Seelen-krafte zu üben. Er will die Entste-hung der Farben, und die gcometri-scheVesiimmung der Rundung deut-lich erkennen. Dieser Hang in jederVorstellung das einzelne aufzusuchen,abzusondern und mit Deutlichkeit zufassen, ist der Grund des Untcr-suchungsgcistes, und zerstöhrt dieSinnlichkeit, die eine Stütze der Ein-bildungskraft ist.
Es kann einem künftigen Künstler,dessen Einbildungskraft an das Aus-schweifende granzet, nützlich seyn,die strengen! Ucbungcn des Verstan-des, durch Erlernung der Wissenschaf-ten, bis auf einen gewissen Grad zutreiben. Ein großer Dichter nenntdie Meßkunst ganz richtig den Zaumder Phantasie *); aber der zum Künst-ler berufene Jüngling muß sich, woer nicht ein außerordentliches zu al-lem gleich aufgelegtes Genie hat,nicht zu tief in abgezogene Untersu-chungen einlassen; er muß sich vor-züglich bemühen, Begriffe, Wahr-heit und allgemeine Kenntniß mehranschauend in sinnlichen Gegenstän-den zu empfinden, als durch den rei-nen Verstand zu erkennen.
Wir haben eine vorzügliche Leb-haftigkeit und Thatigkeit des Geistes
mit
Haller an Hrn. l). Ecßncr.