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was er jemal von sinnlichen Dingenmit vorzüglicher Würkung gefühlthat, wieder gleichsam an seine Sin-nen zurükbringt, der kann, wenn esihm sonst nicht an Erfahrung fehlt,fast allezeit, welche Empfindung erwill, in sich selbst hervorbringen.Kommt nun zu dieser Würkung derEinbildungskraft die Gabe und dieFertigkeit, durch die schiklichstcn Zei-chen von dem, was er selbst sich vor-stellt, ahnliche Vorstellungen auch inandern zu erwcken, so ist er ein Künst-ler. Demnach ist die Einbildungs-kraft, wie gesagt worden, die Mut-ter der schonen Künste, Durch sieliegt die Welt, so weit wir sie gesehenund empfunden haben, in uns, undmit der Dichtungskraft verbundenwird sie die Schöpferin einer neuenWelt. Dadurch erschaffen wir unsmitten in einer Wüste paradiesischeEccnen von überfließendem Rcich-thum und von reizender Annehmlich-keit; versammeln mitten in der Ein-samkeit diejenige Gesellschaft vonMenschen, die wir haben wollen,um uns, hören sie sprechen, undsehen sie handeln.
Man schreibet der Einbildungs-kraft Leichtigkeit zu, wenn sie beyder geringsten Veranlassung eine gros-se Menge sinnlicher Gegenstände sichwieder vorstellt; Lebhaftigkeit, wenndiese wiederkommende Vorstellungeneinen großen Grad der Klarheit ha-ben; Ausdehnung, wenn sie viel sol-cher Vorstellungen auf einmal mitKlarheit hervorbringt: diese drey Ei-genschaften hat die Einbildungskraftdes Künstlers in höhcrn Graden, alssie bey andern Menschen sind. Durchdie Leichtigkeit der Einbildungskraftwird sein Werk reich an Vorstellun-gen; durch ihre Lebhaftigkeit gereicher in Begeisterung, und sein Werk ge-winnt dadurch das Feuer, das auchuns anflammet ; ihrer Ausdehnunghabe» wir hauptsachlich Ordnung,Plan und Ebcnmaaß in großem Wer-
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ken zu danken, und sie macht demKünstler auch die Wahl des Bessernmöglich.
Aber alle diese Vorzüge sind nurnoch ein Thcil des dem Künstler nö-thigcn Genies. Denn die Einbil-dungskraft ist an sich leichtsinnig,ausschweifend und abenthcuerlich,wie die Traume, die ihr Werk sind,wenn sie allein in der Seele würkt:allein kann sie den Künstler nichtgroß machen. Ein feines Gefühl derOrdnung und Ucbcreinstimmungmuß sie beständig begleiten, um demWerk, das sie erschafft, Wahrheitund Ordnung zu geben; eine durch-dringende Veurtheilungskraft, undstarke, aber allezeit auf Wahrhcitundauf die wichtigsten Beziehungen derDinge gegründete Empfindungen,müssen die Herrschaft über sie behal-ten. Denn weh dem Künstler vonvorzüglicher Einbildungskraft, wennihr diese Begleiter und Beherrschermangeln! sein Leben wird ein immer-wahrender Traum seyn, und seineWerke werden mehr den Abentheuer»einer bezauberten Welt, als den schö-nen Sccncn der würklichen Naturgleichen. Was für ausschweifendeDinge würde uns nicht -Homer vonseinen Helden erzahlt haben, wennnicht seine außerordentliche Einbil-dungskraft durch jene höhere GabenWare regiert worden? Wir sehen esan dem Ariost, dem diese Gabenzwar nicht gemangelt haben, bey demsie aber nicht so herrschend gewesen,daß nicht die stärkere Einbildungs-kraft bisweilen sich ihres Einflussesentzogen hätte.
Die Einbildungskraft ist zwar un-mittelbar eine Gabe der Rarur, diesich vielleicht auf feinere Sinnen, aufeine vorzügliche Sinnlichkeit der gan-zen Seele, und auf eine große Leb-haftigkeit des Geistes gründet; siekann aber ohne Zweifel, wie alle an-dre Gaben der Natur, durch Uebung
gestärkt